Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalstrategie BlackRock

Takeouts

  • US-Märkte verzeichneten Rekordflauten
  • Europas Sprengstoff: Referendum in Italien, Neuwahl in Spanien und Flüchtlingsdeal zwischen Türkei und EU könnten für dauerhafte Unsicherheit sorgen
  • Überdurchschnittliche Volatilität könnte unverhofft eintreffen

Über den Sommer hinweg breitete sich eine bemerkenswerte Ruhe an den Finanzmärkten aus. Bemerkenswert deshalb, weil die Unsicherheiten um zukünftige Wachstumsquellen, weitere Unterstützung seitens der Zentralbanken sowie eine ganze Reihe schwer kalkulierbarer Politikrisiken den Märkten eigentlich genügend Anlaß zur Beunruhigung geboten hätten. Vor allem im Nachgang zu einem Ereignis mit der potentiellen Sprengkraft des Brexit-Referendums mutet die Stille geradezu unheimlich an. Die Volatilität europäischer Aktien sackte deutlich ab. Die US-Märkte verzeichneten sogar Rekordflauten bei den Kursschwankungen. Ist die Volatilät, eines der gängigen Risikomaße für Finanzaktiva, in einen dauerhaften Tiefschlaf übergegangen? Und bedeutet dies im Umkehrschluß, dass das risikofreundliche Umfeld anhält?

Wir glauben, die Antwort heißt nein. Vieles spricht dafür, dass das Jahr nicht so ruhig ausklingt wie der Sommer hoffen ließ. Dafür spricht schon die Batterie von politischen Event-Risiken, die für die nächsten Wochen auf der Agenda stehen, als da wären: Referendum in Italien, eventuell Neuwahl in Spanien, Ultimatum über den Flüchtlingsdeal zwischen Türkei und EU sowie, last but not least, diverse Zentralbankentscheidungen. Jedes dieser Ereignisse hat das Potential, schon für sich allein die Unsicherheit an die Finanzmärkte zurückzubringen. Und dabei ist noch gar nicht vom Brexit die Rede gewesen und davon, dass dessen ökonomische und politische Folgen bis dato gar nicht vom Markt gepreist werden konnten, einfach weil sie völlig unabsehbar waren. Was wir bisher in Reaktion auf das Brexit-Referendum gesehen haben, war eher die Angst vor dem Ungewissen. Erst sobald absehbarer wird, wie die neue britische Regierung den Austritt aus der EU tatsächlich zu handhaben gedenkt, ob es einen harten oder eher einen soften Brexit geben wird und was das dann alles für Wachstum, Gewinne und Währungen bedeutet, dürften die Märkte Szenarien mit greifbaren Fakten spielen.

Insgesamt fällt jedoch auf, wie nonchalant die Finanzmärkte inzwischen mit politischen Risiken, unerwarteten Schocks und anderen Unwägbarkeiten umgehen, die in der Vergangenheit eventuell die Kurse aus der Bahn geworfen hätten. Dass der EU-Austritt Großbritanniens, vermutlich der größte anzunehmende Unfall für die europäische Integration, die Aktienkurse am Ende des Sommers höher stehen ließ als am Anfang, lässt auf eine gewisse Abhärtung seitens der Aktienanleger schließen. Insofern müssen wir wohl auch die potentiellen Volatilitätstreiber dieses Herbstes mit etwas anderen Maßstäben messen.

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand: Oktober 2016.

Bedeutet dies nun, dass die große Zeit der Min-Vol-Strategien vorbei und nun auf Dauer „Risk-On“ angesagt ist? Eher nicht. Auch wenn wir glauben, dass die risikofreundliche Grundhaltung noch eine Weile anhalten kann, neigen wir doch dazu von einer trendmäßig eher überdurchschnittlichen Volatilität im weiteren Verlauf dieses Jahres auszugehen. Dies begründet sich schon dadurch, dass Anleger durch das Niedrigzinsumfeld in Bewertungsregionen gezwungen werden, bei denen sie leichter nervös werden. Dies betrifft so ziemlich alle Anlageklassen, in denen wir aktuell dazu neigen, mehr Risiko zu nehmen, also generell Aktien, speziell solche in Schwellenländern, aber auch höherriskante Unternehmensanleihen oder Schuldtitel aus Nichtindustrieländern. Je weiter man von der als fair wahrgenommenen Bewertung von Risikoaktiva entfernt ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein potentiell bedrohliches Ereignis auch als solches gepreist wird. Dies können Zentralbankentscheidungen genauso sein wie andere Makrodaten, geopolitische Veränderungen etc. Im Ergebnis kommt Volatilität zurück, und zwar vermutlich – wie so oft – eher unverhofft und stärker als erwartet.

Bitte beachten Sie, dass einige Entwicklungs- und Schwellenländer besonders hohe Schulden bei Geschäftsbanken und anderen Staaten haben. Anlagen in Schuldverschreibungen (Staatsanleihen), die von Entwicklungs- und Schwellenländern oder ihren Organen ausgegeben wurden, sind mit einem hohen Risiko verbunden.

Anlageideen

Volatilitätsrisken1 können mit einer breiten Diversifikation2 im Portfolio abgefedert werden. Dazu können gerade auf längere Sicht die Minimum Volatility-Produktpalette für USA, Europa, Schwellenländer und Industrieländer von iShares eingesetzt werden. Dabei wird bereits bei der Indexberechnung darauf geachtet, die Gesamtvolatilität möglichst gering zu halten. Aktien der Industrieländer können zum Beispiel über den iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF abgebildet werden.

Diversifikation erreicht man auch, wenn qualitativ hochwertige Strategien einsetzt werden. Aktuell bietet sich hier der iShares S&P 500 Information Technology Sector UCITS ETF an. Bitte beachten Sie, dass Diversifikation und die Asset-Allocation Sie nicht vollständig vor dem Marktrisiko schützt.

1 Das Ausmaß der Schwankung eines Wertpapiers, Fonds oder Index. Sie wird als Grad der Abweichung von der Norm für diese Anlageart über einen bestimmten Zeitraum berechnet. Je höher die Volatilität, desto riskanter ist das Wertpapier tendenziell.
2 Bezeichnet die Investition in eine Vielzahl von Vermögenswerten. Es handelt sich um eine Risikomanagement-Methode, bei der in einem breit gestreuten Portfolio der Verlust aus einer einzelnen Position nur geringere Auswirkungen auf das Gesamtportfolio haben soll.

Obwohl die in diesem Dokument enthaltenen Informationen aus Quellen stammen, die als zuverlässig gelten, übernehmen wir keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Zuverlässigkeit dieser Informationen, und eine Anlageentscheidung sollte sich nicht allein auf diese Informationen stützen. Alle Meinungen und Schätzungen in diesem Dokument spiegeln unsere Beurteilung bei Redaktionsschluss wider, können ohne vorherige Ankündigung geändert werden und beruhen auf Annahmen, die sich möglicherweise nicht als zutreffend erweisen. Das vorliegende Material ist nicht als verlässliche Prognose, Untersuchung oder Anlageberatung zu verstehen und ist keine Empfehlung, Angebot oder Werbung für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für eine bestimmte Strategie. Wir empfehlen nachdrücklich, dass Sie sich vor einer Finanzanlage professionell beraten lassen.