Die Aktienmärkte wurden zuletzt durch die Hoffnung unterstützt, dass die laufenden Verhandlungen im Nahen Osten zu einer Einigung führen könnten. Gleichzeitig haben jüngste Eskalationen die Unsicherheit hoch gehalten.
Der Konflikt hat zu steigenden Energiepreisen beigetragen. Dies könnte die Bekämpfung der Inflation erschweren und den Zentralbanken zusätzliche Gründe liefern, die Zinsen länger auf erhöhtem Niveau zu halten.
Zentralbanken nutzen Zinssätze, um die wirtschaftliche Nachfrage zu bremsen oder zu unterstützen. Höhere Zinsen verteuern Kredite, dämpfen Konsum und Investitionen und können dadurch helfen, die Inflation zu senken. Niedrigere Zinsen fördern dagegen Kreditaufnahme, Ausgaben und Wirtschaftswachstum.
Für Anleger ist dies wichtig, weil das Zinsniveau Einfluss auf die Bewertung von Aktien haben kann. Die Bewertung spiegelt wider, welchen Preis Investoren bereit sind, für zukünftige Unternehmensgewinne zu zahlen.
Deshalb reagieren die Märkte derzeit besonders sensibel auf Wirtschaftsdaten. Veränderungen bei Inflation, Beschäftigung, Löhnen und Energiepreisen liefern Hinweise darauf, ob Zentralbanken ihre Zinsen früher senken oder länger auf hohem Niveau halten könnten.
Selbst kleinere Überraschungen bei diesen Daten können erhebliche Marktbewegungen auslösen, da Anleger ihre Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik und der Bewertung von Unternehmen laufend anpassen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) war die erste große Zentralbank, die seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten die Zinsen anhob. Sie erhöhte ihren Leitzins von 2,00 % auf 2,25 %.
Dieser Schritt kam jedoch nicht überraschend. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise hatten die Inflation im Euroraum auf über 3 % ansteigen lassen und damit deutlich über das Inflationsziel der EZB von 2 %. Zudem hatte die EZB bereits signalisiert, dass höhere Finanzierungskosten erforderlich werden könnten.