Die Märkte in Bewegung: Was wir 2018 vom Kapitalmarkt lernen können

Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalstrategie BlackRock
Mai 2018

In Kürze:

  • Das Jahr 2017 war für viele Anleger ein außergewöhnlich erfolgreiches
  • Im Januar dieses Jahres sah es noch so aus, als könne dieses Umfeld auch 2018 Bestand haben, bis wir Anfang Februar eines Besseren belehrt wurden
  • Wir beleuchten woher die Schwankungen rühren und welche interessanten Lerneffekte wir ziehen

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Das Jahr 2017 war für Anleger ein außergewöhnlich erfolgreiches. Niedrige Zinsen und eine Reihe positiver Überraschungen beim globalen Wachstum sorgten für so gute Stimmung, dass ihr auch Sorgen um geopolitische Risiken wenig anhaben konnten. Investoren waren risikofreudig positioniert, mit der Folge einer beispiellos niedrigen Volatilität.

Im Januar dieses Jahres sah es noch so aus, als könne dieses Umfeld auch 2018 Bestand haben. Um rund 5% legten die wichtigsten Aktienindizes über die ersten Wochen zu, die Steuersenkungen in den USA ließen ein üppiges Gewinnplus bei den Unternehmen erwarten, und ein Blick auf die Fundamentaldaten suggerierte, dass die Idealwelt vom Vorjahr noch intakt war. Wenig bis nichts sprach dafür, dass sich am Szenario, welches inzwischen gern mit dem Prädikat ‚Goldilocks‘ versehen wurde, im laufenden Jahr viel ändern würde.

Woher der Volatilitätsausbruch kommt

Anfang Februar wurden wir eines Besseren belehrt. Zwar war der plötzliche Volatilitätsausbruch durch technische Faktoren verstärkt und der Abverkauf von Aktien vor allem durch Algorithmen ausgelöst. Dennoch geht die Bedeutung dieses Marktverhaltens weit über einen ‚Flash Crash‘ hinaus. Denn offensichtlich hatte sich etwas eher Grundsätzliches in der Einschätzung der Anleger verändert. Schließlich war der Absturz des S&P 500 am Freitag vor dem eigentlichen Crash offenbar eine Reaktion auf die starken US Payroll-Zahlen für den Januar gewesen. Insbesondere die Beschleunigung der Stundenlöhne von 2,6% auf 2,9% ließ mehr und mehr Investoren eine Überhitzung der US-Volkswirtschaft und damit schnellere Zinserhöhungen seitens der Fed befürchten. Und hätte dieser Zusammenhang im entspannten Umfeld des Jahres 2017 vermutlich bestenfalls zu einem kurzen Flackern geführt, sorgten nun die inzwischen erreichten Bewertungsniveaus, vor allem aber die Erwartung eines weiteren kräftigen Wachstums- und Gewinnschubs durch die US-Steuerreform, für die Überhitzungsreaktion. Es war das Hineinbeschleunigen in eine bereits auf Volldampf laufende Volkswirtschaft, welches aus Sicht der Marktteilnehmer das Fass zum Überlaufen brachte.

Unruhe in USA, Unruhe bei weltweiten Anlegern

Von dem geradezu explosionsartigen Anstieg der Volatilität Anfang Februar haben sich die Märkte bis heute nicht komplett erholt. Zwar fanden im Nachgang des 5. Februar die Kursschwankungen bald zu einem gemäßigteren Niveau zurück, die Grundstimmung erhöhter Wachsamkeit blieb jedoch. Und so war es kein Wunder, dass Anfang März weitere besorgniserregende Nachrichten aus den USA die Investoren erneut in Deckung zwangen. Der Rücktritt von Wirtschaftsberater Gary Cohn, einer der wenigen besonnenen Stimmen im Umfeld des US-Präsidenten, und Trumps anschließende Handelskrieg-Rhetorik brachten die Aktienkurse wieder unter Beschuss, diesmal mit der Sorge um das globale Wachstum als Auslöser. Denn, so die Logik der Marktteilnehmer, wenn eine zunehmend protektionistische Haltung seitens der USA den Handel dämpft, können weltweit Unternehmen nicht mehr so üppig verdienen. Dann sehen die gegenwärtigen Bewertungen ambitioniert aus. Die Unsicherheit, gerade um die künftigen Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie die Konsequenzen für den Welthandel insgesamt, liegt seitdem wie Mehltau auf den Märkten.

Lerneffekte

Das, was dieses Finanzmarktjahr seit seinem Beginn im Vergleich zum Vorjahr so anders macht, und ganz besonders die Ursachen dieser Klimaveränderung, führt uns zu einer Reihe interessanter Lerneffekte.
1
Erstens sehen wir nun, dass Politik sehr wohl eine Bedeutung besitzt und die gelegentlich geäußerte Einschätzung, Ereignisse wie Brexit oder Trump-Wahl seien in Zeiten starker Fundamentaldaten nicht mehr so bedeutsam, vermutlich voreilig war. Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen zumindest, wie disruptiv das Verhalten eines volkswirtschaftlich unbedarften US-Präsidenten selbst in einem ökonomisch sehr robusten Umfeld sein kann.
2
Und das führt uns zu Lerneffekt Nummer zwei. Sowohl die Verunsicherung im Februar, nämlich Angst vor Überhitzung und schneller steigenden Zinsen, als auch jene im März, Sorgen um einen Handelskrieg und verheerende Folgen für Wachstum und Gewinne, hatten ihren Ursprung in Donald Trumps hypernervösem Twitter-Daumen. Die Einschätzung davon, wie vermutlich die nächsten Monate und Quartale verlaufen werden, hängt also sehr wohl von der Politik ab, speziell jener in den USA.
3
Und damit sind wir beim dritten und vielleicht wichtigsten Lerneffekt: Auch 2018 hat uns der Markt wieder bewiesen, dass wir bei weitem nicht alles wissen. Kaum jemand hatte wohl damit gerechnet, dass die Volatilität so schnell und sprunghaft zurückkehren würde. Genauso verblüffend war es wohl für viele (uns eingeschlossen), dass ausgerechnet der irrlichternde US-Präsident die Ursache sein würde, und das gleich mehrmals. Wenn wir nun also überlegen, was dies für den Rest des Jahres bedeutet, so liegt es nahe, Trump nicht weiter zu unterschätzen. Die gute Nachricht ist, dass beim Handelskonflikt mit China vieles für eine Verhandlungslösung spricht. Wachstum und Gewinne dürften daher nicht in so unmittelbarer Gefahr sein wie zuletzt befürchtet. Höhere Aktienkurse Richtung Jahresende sind damit weiter wahrscheinlich, die Risiken jedoch haben spürbar zugenommen.

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Risiken

Das vorliegende Material ist nicht als verlässliche Prognose, Untersuchung oder Anlageberatung zu verstehen und ist weder eine Empfehlung noch ein Angebot für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für eine bestimmte Strategie. Wir empfehlen nachdrücklich, dass Sie sich vor einer Finanzanlage professionell beraten lassen. Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Vergangene Wertentwicklung, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung und sollten bei der Auswahl eines Produkts nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden. Sowohl die Höhe der Steuer als auch ihre Berechnungsgrundlage können sich in der Zukunft ändern, beide sind außerdem abhängig von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers. Es gibt keine Garantie dafür, dass Investitionen in Finanzmärkten einen wirksamen Schutz gegen Inflation bieten.

Anleger sollten ihre Investmententscheidungen auf Grundlage des laufenden Verkaufsprospekts, der jüngsten Jahresberichte sowie dem Dokument mit den wesentlichen Anlegerinformationen, die auf unserer Website in deutscher Sprache erhältlich sind, treffen. Die wesentlichen Anlegerinformationen zu den einzelnen Fonds finden Sie hier.

*BlackRock ist der führende ETF-Anbieter weltweit: Mit mehr als 800 ETFs und einem weltweit in ETFs verwalteten Vermögen von mehr als 1,9 Billionen US-Dollar. Keiner anderen Vermögensberatung weltweit wird mehr Geld anvertraut als BlackRock mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 6,52 Billionen US-Dollar (BlackRock, Stand: 31. März 2019).