SCHWELLENLÄNDER – CHINA UND DARÜBER HINAUS?

Kapitalrisiko. Der Wert von Anlagen und die damit erzielten Erträge können ebenso gut sinken wie steigen und sind nicht garantiert. Daher besteht die Möglichkeit, dass ein Anleger den ursprünglich investierten Betrag nicht vollständig zurückerhält.

Etwa 40% des MSCI Emerging Markets Index entfallen heute auf chinesische Aktien. Je mehr A-Aktien in die Indizes aufgenommen werden, desto wichtiger dürfte das Land für ausländische Investoren werden.1

Die rund 4.000 onshore notierten Aktien verdoppeln beinahe das investierbare Universum der Schwellenländer (EM) für Investoren, die in dieser Region anlegen wollen. Zudem haben sie nun Zugang zu vorher kaum erreichbaren Branchen, die die Bedürfnisse der 1,4 Milliarden Chinesen2 abdecken,  etwa Kabel- und Satellitenunternehmen, Arzneimitteleinzelhändler und Hersteller von Weißer Ware und Haushaltsgeräten.

Wir sprachen mit Gordon Fraser und Stephen Andrews vom Global Emerging Markets Team von BlackRock darüber, was chinesische Aktien für EM-Investoren heute bedeuten und wie diese Wende den Portfolios künftig zugutekommt.

Es gibt keine Garantie für ein positives Anlageergebnis. In dieser Mitteilung enthaltene Hinweise auf einzelne Anlagen dienen ausschließlich zur Veranschaulichung und sind nicht als Anlageberatung oder Anlageempfehlung aufzufassen.

Der chinesische Onshore-Aktienmarkt hat ähnliche Merkmale wie das allgemeine EM-Investmentuniversum. Zu erwähnen sind in erster Linie die Vielfalt der Chancen und die Breite der Einflussfaktoren für die Aktienperformance.

Auch wenn China ein einzelner Markt ist, reagiert jeder einzelne Sektor auf ganz unterschiedliche Faktoren. Politische und regulatorische Weisungen sowie neue Finanzierungsbedingungen, die sich auf den Markt auswirken, haben möglicherweise deutliche Folgen für die Renditen. Wenn Anleger ihre Allokationsentscheidungen unter diesem Blickwinkel betrachten, können sie die Wirksamkeit ihrer aktiven Strategien verbessern.

Im 2. Quartal 2020 interessierten wir uns näher für Sektoren, die von fiskalischen Anreizen und Chinas Investitionen in Festzinsanlagen, insbesondere durch Infrastrukturprojekte und die Unterstützung des Gesundheitswesens, profitieren dürften. Der Zement- und Baustoffsektor bieten unseres Erachtens hier vielversprechende Chancen. Obwohl Teile des Gesundheitswesens infolge der Neubewertung angesichts der COVID-19-Krise teurer wurden, sind wir nach wie vor der Ansicht, dass viele Argumente für langfristige Anlagen in Unternehmen sprechen, die in Bereichen wie Herstellung von medizinischen Geräten, Behandlungs-einrichtungen, medizinisches Personal und Biotechnologie tätig sind.

Dagegen schätzen wir Banken negativer ein. Staatliche Institute könnten aufgefordert werden, die KMU zu unterstützen, während weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen die Nettozinsmargen stärker unter Druck setzen. In der Konsumgütersparte wurden die Gewinnkürzungen noch nicht vollständig umgesetzt, weshalb die Risikobereitschaft sinkt. Wir konzentrieren uns auf Unternehmen, die von einem Strukturwandel des Konsumverhaltens profitieren könnten –Branchenführer, die der kurzfristigen Volatilität widerstehen und ihren Marktanteil ausbauen können. Cloudbasierte Software, Online-Unterricht, E-Commerce und Online-Lieferdienste sind ebenfalls Bereiche, die wir für interessant halten.

Es gibt keine Garantie für ein positives Anlageergebnis. In dieser Mitteilung enthaltene Hinweise auf einzelne Anlagen dienen ausschließlich zur Veranschaulichung und sind nicht als Anlageberatung oder Anlageempfehlung aufzufassen.

Man darf nicht vergessen, dass das EM-Universum mehr als zwei Dutzend Länder mit unterschiedlichen makroökonomischen und politischen Umständen umfasst. Was in Russland und Brasilien vorfällt, hat beispielsweise wenig Einfluss auf die indischen oder indonesischen Märkte. So entsteht eine natürliche Diversifizierung, die in anderen Anlageklassen nicht so deutlich ausgeprägt ist, da die Märkte je nach ihren Leistungs-, Handels- und Währungsbilanzen anders auf externen Druck reagieren.

Obwohl das Ausmaß der Auswirkungen von COVID-19 ungewiss ist und die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China anhalten, finden wir Wertsteigerungspotenzial im allgemeinen EM-Universum. Da Anleger sich stärker auf große Volkswirtschaften wie China konzentrieren, nimmt das Research in den kleineren Ländern ab. Diese Entwicklung verspricht ein höheres asymmetrisches Risiko-Ertrags-Verhältnis für Anleger, die bereit sind, die Augen offen zu halten.

Wenn wir verfolgen, in welcher Konjunkturphase die Länder sind, und versuchen, das Verbesserungs- oder Verschlechterungspotenzial der makroökonomischen Bedingungen zu verstehen, können wir mit den richtigen aktienspezifischen Ideen und einer wirksamen Risikoallokation in Märkte, von denen wir annehmen, dass sie überdurchschnittlich abschneiden, Alpha generieren.

Anfang des Jahres war zu beobachten, dass nicht alle Schwellenländer gleich sind. Als die Ungewissheit aufgrund von COVID-19 zu einer Flucht in sichere Häfen führte, wurden die traditionellen Carry-Länder, die hohe Defizite aufweisen und ihre Haushalte in erster Linie durch ausländische Kapitalflüsse finanzieren, am schlimmsten in Mitleidenschaft gezogen. Heute wirken Indien und Indonesien unseres Erachtens immer attraktiver. Die beispiellosen weltweiten Anreize sorgen für reichlich Liquidität, während die höheren Zinssätze nicht nur die Rückkehr der ausländischen Zuflüsse fördern, sondern auch die erforderliche Flexibilität gewährleisten, die Geldpolitik gegebenenfalls stärker zu lockern. Dagegen sind wir der Ansicht, dass Länder wie Südkorea und Taiwan wegen der flachen Zinsstrukturkurve und der anhaltenden Unter¬brechungen der Lieferketten im Technologiesektor unter Druck bleiben.

In beiden Fällen dürfte es möglich sein, durch die Anpassung der Top-down- und der Bottom-up-Überzeugungen in allen Marktphasen stabilere Renditen zu erzielen. Außerhalb Asiens zeichnet sich Russland durch seine relativ niedrige Verschuldung aus, die das Land etwas vor Kapitalabflüssen schützte. Bei einer Erholung des Ölpreises dürfte sich ein Investment lohnen. Obwohl wir nicht mit einem hohen Wachstum rechnen, beobachten wir in Mexiko eine Verbesserung der Wirtschaftstrends, einen Anstieg des Marktanteils an den US-Exporten und geeignete Voraussetzungen für weitere Zinssenkungen. Zudem profitierten wir von den jüngsten Schwächen an den Aktien- und Devisenmärkten, um uns an unterbewerteten Qualitätsunternehmen zu beteiligen.

Kursineffizienzen ermöglichen reaktionsschnellen Anlegern höheres Alpha

Der chinesische Onshore-A-Aktienmarkt ist von der Volatilität an den Schwellenländermärkten nicht ausgenommen. Im letzten Jahrzehnt schwankten die Kurse von rund 65% der Papiere im MSCI EM Index jährlich um mindestens 40%. Dieser Anteil steigt auf 80%, wenn man die Shanghai- und Shenzhen-Composite-Indizes betrachtet.3  Dieses Phänomen ist zum Teil auf die Struktur des chinesischen Marktes zurückzuführen, an dem ausländische Investoren nur etwa 3,4% halten.4 Diese Tatsache zusammen mit dem großen Anteil von Privatanlegern am Handelsvolumen (rund 82%)5  und der mangelnden Abdeckung durch klassisches Aktien-Research führte zu klaren Preisineffizienzen, die es den Teilnehmern ermöglichten, mit der Zeit potenziell höheres Alpha zu generieren.

Die Grafik unten veranschaulicht dieses Phänomen. Auf einer annualisierten Fünfjahres-Basis verbuchte der aktive US-Manager im Median eine Performance von -1,1% gegenüber dem S&P 500 Index, während die Manager im obersten Quartil lediglich eine Überrendite von 0,4% erzielten. Die Alpha-Generationsfähigkeit aktiver Manager an Schwellenländer- und chinesischen Offshore-Märkten entwickelte sich deutlich besser als die ihrer Pendants in Industrieländern, denn auch die Median-Manager generierten in diesem Zeitraum positives Alpha (+0,5% ggü. dem MSCI EM Index bzw. +1,3% ggü. dem MSCI China Index). Es ist jedoch anzumerken, dass der chinesische A-Aktienmarkt in einer eigenen Liga spielt. Obwohl die Kategorie noch in den Kinderschuhen steckt, produzierte ein aktiver Manager im Median über fünf Jahre eine annualisierte Überrendite von +11,1%. Die Manager im untersten Quartil waren im selben Zeitraum in der Lage, gegenüber dem MSCI China A Domestic Index jährlich +9,6% Alpha zu erwirtschaften. Wie in der Fußnote unten dargelegt, ist die Aussagekraft dieser Analyse möglicherweise durch die Stichprobengröße und den Zeithorizont beeinträchtigt.

Streuung der Überrendite aktiver Manager nach Kategorie (5 Jahre, annualisiert)

Graphik zur Streuung der Überrendite aktiver Manager nach Kategorie

Quellen: BlackRock, eVestment Compare, Stand 31. März 2020. Annualisierte Performance vor Abzug von Gebühren in USD. Die Grafik veranschaulicht die Bruttoüberrendite der Strategien des 2. (grün) und 3. (gelb) Quartils im Vergleich zu ihrem jeweiligen eVestment-Universum. Whiskers stellt die Strategien im 5. und 95. Perzentil im selben Universum dar. US-Aktien sind durch 521 aktive Strategien dargestellt, die mit dem S&P 500 Index verglichen werden. EM-Aktien sind durch 481 aktive Strategien dargestellt, die mit dem MSCI EM Index verglichen werden. Chinesische Aktien sind durch 206 aktive Strategien dargestellt, die mit dem MSCI China Index verglichen werden. Chinesische A-Aktien sind durch 69 aktive Strategien dargestellt, die mit dem MSCI China A Domestic Index verglichen werden. Die genannten Zahlen beziehen sich auf die Wertentwicklung in der Vergangenheit. Sie ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. 

Hinweis: Die Ergebnisse spiegeln nicht den Abzug von Verwaltungs-, Beratungs- und sonstigen Gebühren wider, die die Rendite des Kunden senken.

Obwohl wir fest davon überzeugt sind, dass Renditen thematischer Anlagen nicht langfristig vorhersehbar sind, meinen wir, dass Trendänderungen neue Chancen aufzeigen können. Hier sind nur einige Ideen für die Welt nach COVID-19:

  • Global vs. lokal: Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China haben zugenommen und dürften vor den und während der US-Wahlen anhalten. Die Deglobalisierung setzt die Lieferketten zwar unter Druck, sie könnte jedoch auch inländischen Herstellern ermöglichen, angesichts des Strebens nach Autonomie zu wachsen.
  • Technologie für eine sozial distanzierte Welt: Die Pandemie hat die Art, wie wir uns verhalten, deutlich geändert. Angesichts des Fokus auf Homeoffice, Online-Unterricht, Videostreaming und Lieferdiensten gewinnen Software- und Technologieinfrastruktur an Bedeutung, um den Bedarf in Zukunft zu decken.
  • Reisen … Geschäft oder Freizeit? Wenn das Übertragungsrisiko aufgrund einer Impfung oder des natürlichen Rückgangs der Fälle schwindet, dürften Freizeitreisen wieder stark zunehmen. Geschäfts¬reisen könnten jedoch infolge des Erfolgs von Videokonferenzen, die kostengünstiger sind als persönliche Besprechungen und Veranstaltungen, weniger Glück haben.

1MSCI, Stand 31. Mai 2020. Der Anteil der chinesischen Aktien am MSCI EM Index umfasst onshore und offshore notierte Aktien. Derzeit machen A-Aktien nur rund 20% der allgemeineren MSCI-Indizes aus. Es gibt keine Garantie für ein positives Anlageergebnis.
2Weltbank, Stand 31. Dez. 2018.
3BlackRock, Bloomberg, Stand 31. Dez. 2019. Die Analyse misst den durchschnittlichen Prozentsatz der Aktien im jeweiligen Index (MSCI EM Index oder aggregierter Shanghai- und Shenzhen-Composite-Index), deren Kurse zwischen 2009 und 2019 mindestens um 40% schwankten.
4Goldman Sachs, Stand 31. März 2020.
5Goldman Sachs, Shanghai Exchange Stand 31. Dez. 2017 (aktuellste verfügbare Angaben).

Gordon Fraser, CFA
Co-Head des Global Emerging Markets Equities Team, BlackRock Fundamental Active Equities Team
Stephen Andrews
Co-Head des Global Emerging Markets Equities Team, BlackRock Fundamental Active Equities Team