Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA,
Marktstratege
Juni 2017

In Kürze:

  • May erleidet bei der Wahl Anfang Juni eine herbe Schlappe und steht nun stark unter Druck
  • Brexit Verhandlungen werden die mit Abstand größte Herausforderung
  • Britische Risikoaktiva wie Aktien dürften unter der politischen Unsicherheit leiden

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Die Neuwahl im Vereinigten Königreich hat ein überraschendes Ergebnis gebracht. Premierministerin Theresa May, die nach dem Rücktritt David Camerons ohne Wahl ins Amt gekommen war, wollte sich mit der Wahl politisch legitimieren und ein stärkeres Mandat für die Brexitverhandlungen erreichen. Dies ist, obwohl Tory knapp gewonnen hat, gescheitert. Aus Sicht vieler Konservativer steht May nun als Zockerin da, die ohne Not die absolute Mehrheit der Partei im Unterhaus verspielt hat, obwohl die Legislaturperiode noch drei weitere Jahre gedauert hätte. Dies dürfte sie weiter unter Druck setzen. Zwar widerstand May bisher Rücktrittsforderungen und kündigte an, auch unter den schwierigen Bedingungen eine stabile Regierung bilden zu wollen. Allerdings dürfte der Druck zunehmen, so dass wir perspektivisch mit einem Rücktritt Mays rechnen. Ausserdem sollte die Verheissung einer „stabilen Regierung“ vor allem auf die offiziellen Brexitverhandlungen mit der EU gemünzt gewesen sein. Eine stabile Regierung ist nämlich kaum zu erwarten, denn die nordirische Democratic Unionist Party (DUP), letzte verbliebene Koalitionsoption, dürfte die Tories eher mit nordirlandspezifischen Sonderwünschen vor sich hertreiben als am Erfolg einer Tory-Regierung interessiert zu sein. Die Folge wird voraussichtlich politische Unsicherheit sein, gefolgt von erneuten Neuwahlen innerhalb der nächsten Monate.

Apropos Brexit

Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird wohl die mit Abstand größte Herausforderung einer jeden neuen Regierung in London werden. Durch die Stellung des Austrittsantrags Ende März wird Großbritannien im März 2019 die EU verlassen.

Quelle: Brexit timeline: events leading to the UK’s exit from the European Union, www.parliament.co.uk – 02 Mai 2017.

Aus Sicht der Finanzmärkte war der Wahlausgang im Juni durchaus von großer Bedeutung, weil die Wahrscheinlichkeiten für einen Austritt Anfang 2019 ohne „Deal“ beziehungsweise für einen letztlich „harten Brexit“ vom Wahlausgang beeinflusst wurden. Genauer gesagt: Die Wahrscheinlichkeit für ein „No-Deal-Szenario“ (Austritt ohne ein neues Handelsabkommen) ist aus unserer Sicht durch das schlechte Abschneiden Mays eher gestiegen, weil es für die Tories schwer werden könnte, einen etwaigen Brexit-Entwurf durch das Parlament zu bekommen.

Der Brexit selbst könnte somit am Ende gefühlt ein weniger harter werden, da May (oder ihr Nachfolger) auf Grund der politischen Stimmung im Land aller Voraussicht nach größere Kompromisse eingehen muss. Parteiintern steht May zudem weiter vor dem Dilemma, dass jede Art von Deal einigen in ihrer Partei nicht weit genug gehen und anderen wiederum als zu drastisch erscheinen könnte.

Quellen: BlackRock Investment Institute, Verband der Britischen Industrie, Bank of England, EU Kommission, MSCI, UK Wirtschaftsförderung, Internationaler Währungsfonds und Weltbank, Februar 2016. Aktienmarkt Angaben basieren auf Werten Ende Januar 2016. Tee Konsum Daten sind aus 2013. Alle weiteren Daten aus 2015. Der Anteil der Finanzdienstleistungen basiert auf dem generierten Bruttowert.

Die drei Verhandlungsschwerpunkte

In der ersten Phase der Brexit-Verhandlungen – so viel dürfte bereits feststehen – wird es für Großbritannien und die EU ungeachtet der politischen Turbulenzen in UK zuvorderst um drei Themen gehen.

Erstens muss geklärt werden, in welcher Höhe die Briten ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen müssen, die sich aus der bisherigen EU-Mitgliedschaft ergeben.
Zweitens müssen die Rechte von EU-Bürgern auf der Insel und der von UK-Bürgern in der EU geklärt werden.
Drittens muss eine Lösung für die durch den Austritt entstehende EU-Außengrenze zwischen Nordirland und Irland gefunden werden. Erst wenn Antworten auf diese Fragen gefunden sind, will die EU über weitere Abkommen diskutieren.

Eine besondere Bedeutung dürfte dabei einem möglichen Übergangsabkommen zukommen. Auf Seiten der Briten strebt man, auch zum Schutz der britischen Unternehmen, eine Übergangsphase an, in der das Königreich unter anderem noch den Europäischen Gerichtshof als maßgebliche Gerichtsbarkeit anerkennt. Andere Merkmale sind jedoch unklar und müssten zeitnah ausgehandelt werden.

Was bedeutet das für die Finanzmärkte?

Der Austritt der Briten aus der EU ist und bleibt eine Zäsur in der Geschichte der Europäischen Union. An den Finanzmärkten sorgte der Wahlausgang am 8. Juni nur bedingt für Aufsehen. Die Brexit-Verhandlungen im Anschluss sind dafür – vor allem für die Briten und die dortigen Märkte – umso bedeutsamer.

Was die Finanzmärkte in Europa insgesamt betrifft, wird das gegenwärtige politische Drama in Großbritannien wohl als Randnotiz in die Geschichte eingehen. Das starke Momentum der europäischen Unternehmen, die wieder deutlich mehr Geld verdienen als in den Vorjahren, sollte auch nun nach der Wahl in UK bestehen bleiben. Risikoaktiva aus UK selbst sehen wir hingegen etwas kritischer. Die nach wie vor bestehende Unsicherheit rund um die konkrete Ausgestaltung des EU-Austritts wird zusammen mit einer instabilen Regierung die Unternehmen auf der Insel aller Voraussicht nach in ihrem Geschäftsprozess behindern, sodass der Investmentfokus eher auf dem europäsichen Festland liegen könnte.

Zugang zu Europa über ETFs

ETFs – einfach erklärt

Wenn Sie sich dafür entscheiden, in europäische Unternehmen zu investieren, könnte ein börsengehandelter Indexfonds (auf Englisch Exchange Traded Fund, ETF) Ihnen einen effizienten Zugang bieten. ETFs zielen darauf, die Wertentwicklung eines Index nachzubilden – so eröffnen sie eine Möglichkeit, sich in sehr vielen unterschiedlichen Wertpapieren zu engagieren.

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Der Fonds strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus Unternehmen aus Industrieländern in Europa unter Ausschluss des Vereinigten Königreichs besteht.

Anleger sollten ihre Investmententscheidungen auf Grundlage des laufenden Verkaufsprospekts, der jüngsten Jahresberichte sowie dem Dokument mit den wesentlichen Anlegerinformationen, die auf unserer Website in deutscher Sprache erhältlich sind, treffen. Die wesentlichen Anlegerinformationen zu den einzelnen Fonds finden Sie hier.

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Risiken

Das vorliegende Material ist nicht als verlässliche Prognose, Untersuchung oder Anlageberatung zu verstehen und ist weder eine Empfehlung noch ein Angebot für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für eine bestimmte Strategie. Wir empfehlen nachdrücklich, dass Sie sich vor einer Finanzanlage professionell beraten lassen. Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Vergangene Wertentwicklung, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung und sollten bei der Auswahl eines Produkts nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden. Sowohl die Höhe der Steuer als auch ihre Berechnungsgrundlage können sich in der Zukunft ändern, beide sind außerdem abhängig von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers. Es gibt keine Garantie dafür, dass Investitionen in Finanzmärkten einen wirksamen Schutz gegen Inflation bieten.

Anleger sollten ihre Investmententscheidungen auf Grundlage des laufenden Verkaufsprospekts, der jüngsten Jahresberichte sowie dem Dokument mit den wesentlichen Anlegerinformationen, die auf unserer Website in deutscher Sprache erhältlich sind, treffen. Die wesentlichen Anlegerinformationen zu den einzelnen Fonds finden Sie hier.

*BlackRock ist der führende ETF-Anbieter weltweit: Mit mehr als 800 ETFs und einem weltweit in ETFs verwalteten Vermögen von mehr als 1,9 Billionen US-Dollar. Keiner anderen Vermögensberatung weltweit wird mehr Geld anvertraut als BlackRock mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 6,52 Billionen US-Dollar (BlackRock, Stand: 31. März 2019). 

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