Ende Februar kam es zu einer deutlichen Verschärfung der Spannungen im Nahen Osten, wobei sich die Lage weiterhin dynamisch entwickelt. Sorgen über mögliche Unterbrechungen der Energieversorgung belasteten die Märkte: Schäden an Infrastruktur sowie Störungen bei Öl- und Gasexporten führten zu steigenden Energiepreisen. Marktteilnehmer befürchten, dass eine weitere Eskalation den globalen Inflationsdruck erhöhen könnte.
Anleger reagierten entsprechend sensibel, da höhere Inflationserwartungen unmittelbare Auswirkungen auf den Zinsausblick haben. Zentralbanken wie die Bank of England (BoE) und die Europäische Zentralbank (EZB) steuern über ihre Zinspolitik die wirtschaftliche Nachfrage, um die Inflation nahe ihren Zielwerten zu halten. Nach den deutlichen Zinserhöhungen im Zuge der Covid-Pandemie hatten sie zuletzt begonnen, die Leitzinsen schrittweise zu senken. Sollte die Inflation jedoch erneut anziehen, könnten Zinssenkungen pausiert oder sogar neue Zinserhöhungen notwendig werden. Höhere Zinsen belasten in der Regel sowohl Aktien als auch Anleihen: Für Unternehmen steigen die Finanzierungskosten, während bestehende Anleihen an Attraktivität verlieren, wenn neue Papiere mit höheren Kupons emittiert werden.
Allerdings ist die aktuelle Inflation vor allem angebotsseitig getrieben und resultiert primär aus höheren Energiepreisen – nicht aus einer übermäßigen Nachfrage. Zinserhöhungen können zwar die Nachfrage dämpfen, sie erhöhen jedoch nicht das Angebot an Öl oder Gas. Vor diesem Hintergrund könnten Zentralbanken geneigt sein, einen vorübergehenden Energiepreisschock geldpolitisch zu „übersehen“, sofern sie ihn als temporär einschätzen. Sollte sich der Konflikt jedoch länger hinziehen und die Energieversorgung spürbar beeinträchtigen, könnte die Inflation über einen längeren Zeitraum erhöht bleiben – mit potenziell anspruchsvolleren Rahmenbedingungen für die Finanzmärkte.