3 ANLAGETHEMEN FÜR 2022

GLOBALER AUSBLICK 2022

Das BlackRock Investment Institute (BII) hat in seinem globalen Anlageausblick drei Anlagethemen für das Jahr 2022 hevorgehoben. Die Experten erwarten ein neues Marktregime, das es in dieser Form seit 50 Jahren nicht mehr gegeben hat.

ETWAS NEUES BEGINNT

Wir stehen am Beginn eines neuen Marktregimes, das es so seit 50 Jahren nicht mehr gegeben hat: Für 2022 erwarten wir positive Aktien- und negative Anleiherenditen. Nur sehr selten sind die Aktienrenditen in einem Jahr weltweit positiv und die Anleiherenditen negativ, und schon gar nicht zwei Jahre in Folge – das gab es fast fünf Jahrzehnte nicht mehr. Wir sehen darin ein Signal, dass ein neues Marktregime beginnt. Es zeigt aber auch, warum es wichtig ist, das Durcheinander zu ordnen, das der fulminante Neustart, neue Virusvarianten, die höhere Inflation und der neue Kurs wichtiger Zentralbanken hervorgebracht haben. Unser Basisszenario: Corona-Varianten verlangsamen den Neustart, bringen ihn aber nicht zum Erliegen. Die Zentralbanken werden Zinserhöhungen in Angriff nehmen, aber toleranter gegenüber der Inflation bleiben. Letztere dürfte sich auf höheren Niveaus als vor Corona einpendeln. Ein solches Umfeld begünstigt Aktien gegenüber Anleihen. Allerdings sind wir wegen der Fülle möglicher Szenarien etwas weniger risikobereit.

1. Mit der Inflation leben

Die höhere Inflation ist da, aber wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken mehr Preisauftrieb als früher tolerieren werden. Um Portfolios darauf vorzubereiten, bevorzugen wir einen Multi-Asset-Ansatz. Dabei kombinieren wir inflationssensitive Aktien, alternative Anlagen und inflationsgeschützte Anleihen.

2. Klarheit schaffen

Das einzigartige Zusammentreffen unterschiedlicher Phänomene – Wirtschaftsneustart, neue Virusvarianten, stärkerer Preisauftrieb, neue Strategien wichtiger Zentralbanken – könnte die Märkte und Währungshüter zu falschen Schlüssen verleiten. Wir reduzieren das Risiko und setzen auf sehr selektive Engagements in aussichtsreichen Regionen wie den Industrieländern. Wichtig ist uns zudem die Resilienz von Portfolios – und zwar unter möglichst vielen Bedingungen.

3. Netto-Null erreichen

Der Weg zur Klimaneutralität ist nicht erst in einigen Jahren, sondern schon jetzt zentral. Die Versorgungsengpässe sind Realität, und die tektonische Kapitalverschiebung zugunsten nachhaltiger Anlagen ist in vollem Gange. Uns gefallen nachhaltige Produkte und Qualitätsaktien, die gut für die grüne Wende positioniert sind, wie etwa Technologie- und Gesundheitswerte.


DIE THEMEN IM DETAIL

Weil die Nachfrage deutlich höher war als das Angebot, stieg die Inflation 2021 sprunghaft an. Sie wird sich wohl auf höheren Niveaus als vor Corona einpendeln, sobald die Angebotsengpässe nachlassen. Eine treibende Kraft sind die wichtigen Zentralbanken. Sie nehmen eine höhere Teuerung als früher in Kauf und reagieren deutlich zurückhaltender. Das ist unser Basisszenario. Ziemlich spät hat die US Notenbank (Fed) erklärt, dass sie ihr durchschnittliches Inflationsziel erreicht hat was unserer Ansicht nach schon früher der Fall war. Wir erwarten, dass die Fed 2022 beginnt, die Zinsen anzuheben, allerdings eher behutsam. Weil auch ihr zweites Mandat, nämlich maximale Beschäftigung, eine wichtige Rolle spielt, beobachten wir genau, wie die Fed es interpretiert. Denn das dürfte Aufschluss über Zeitpunkt und Tempo ihrer Zinserhöhungen geben. Gemäß ihrem Mandat strebt die US Notenbank an, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Zinserhöhungen dürften daher nur allmählich erfolgen. Die Zinsstraffungen würden einen Teil der Unterstützung, die 2020 zum Eindämmen der Krise bereitgestellt wurde, wieder zurücknehmen, da die Beschäftigung schon fast wieder Vor-Corona-Niveau erreicht hat. Anders stellt sich die Lage für die Europäische Zentralbank (EZB) dar. Ihr Ziel ist es nach wie vor, dass sich die Inflation bei 2 % und nicht wieder deutlich unter dieser Marke einpendelt, wo sie jahrelang verharrte. Die mittelfristigen Inflationsprognosen der EZB dürften nicht an ihr 2 % Ziel heranreichen. Folglich ist mit einer Fortsetzung ihrer sehr lockeren Geldpolitik zu rechen. Aus unserer Sicht wird die EZB noch einige Jahre vom Drehen an der Zinsschraube absehen und stattdessen ihre regulären Wertpapierkäufe ausweiten, da ihr Pandemieprogramm 2022 ausläuft.

Auch der Klimawandel heizt die Inflation an. Ein geordneter Netto Null Übergang würde die Preise am wenigsten anfachen anders als ein ungeordneter oder ein „Weiter so“. Die Klimakrise wird in den nächsten Jahrzehnten wohl zahlreiche Lieferketten empfindlich stören.

Unser Fazit: Wegen der verhaltenen Reaktion der Währungshüter auf die Inflation bevorzugen wir weiterhin Aktien gegenüber Anleihen. Um Portfolios entsprechend zu positionieren, favorisieren wir einen Multi Asset Ansatz mit inflationsempfindlichen Aktien, alternativen Anlagen und inflationsgeschützten sowie zinsvariablen Anleihen.

Das einzigartige Zusammentreffen unterschiedlicher Phänomene – Wirtschaftsneustart, neue Virusvarianten, stärkerer Preisauftrieb, neue Strategien wichtiger Zentralbanken – könnte die Märkte und Währungshüter zu falschen Schlüssen verleiten. Wir behalten das große Ganze im Auge, sind uns aber der Aufwärts- wie Abwärtsrisiken für unser Basisszenario bewusst. Bei unserem Thema Klarheit schaffen geht es darum, das große Ganze, aber auch die Risiken für unser Basisszenario im Auge zu behalten. Der aktuelle wirtschaftliche Neustart ist in dieser Form noch nie dagewesen. Hinzu kommen Überraschungen durch Wirtschaftsdaten, die wiederholt erheblich nach oben und unten ausschlagen. Alles in allem ist es nicht verwunderlich, dass bei politischen Entscheidungsträgern und Marktteilnehmern, die sich an die neue Realität anpassen müssen, Verwirrung herrscht.

Erschwerend kommt hinzu, dass Zentralbanken neue Strategien einführen und anders als früher auf Preisauftrieb reagieren. Derweil sorgen neue Corona-Varianten für zusätzliche Verunsicherung. Wir haben viele Möglichkeiten durchgespielt und uns gefragt: Was müsste geschehen, damit dieses neue Marktregime nicht eintritt?

Unserer Ansicht nach könnten zwei zentrale Entwicklungen dafür sorgen, dass sich unsere Einschätzung zum neuen Marktregime als falsch erweist. Erstens könnten die Zentralbanken anders als vermutet reagieren. Bei anhaltendem Inflationsdruck, vielleicht aufgrund neuer Corona-Varianten, könnten sie in alte Reaktionsmuster zurückfallen.

Unsere Einschätzung – und die des Marktes – zu künftigen Zinserhöhungen der Fed entspricht nicht mehr dem früheren Verhalten der US-Notenbank in Situationen, in denen eine Mischung aus Konjunkturschwäche und Inflationsanstieg die Märkte beherrschte. Die alte Strategie der Fed band den Leitzins an die Inflationsrate und die Produktionslücke. Würde sie diese Strategie noch immer verfolgen, hätte sie unseres Erachtens bereits mit Zinserhöhungen begonnen. Auch das bestärkt uns darin, dass wir es mit einem neuen Marktregime zu tun haben.

Ferner könnten die Währungshüter zu einem aggressiveren Vorgehen gezwungen sein, falls die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen. Eine Teuerung deutlich über dem Zielwert, steigende Zinsen und sinkendes Wachstum wären die Folgen. Also eine klassische Stagflation, die schlecht für Anleihen und Aktien ist.

Zweitens könnten unsere Wachstumsprognosen zu hoch sein, wenn etwa wiederholte Infektionswellen den Neustart ausbremsen und in eine Stagnation münden. Oder zu niedrig, wenn das Potenzialwachstum durch einen Investitions-und Produktivitätsboom angekurbelt wird, der sich inflationsdämpfend auswirkt.

Unser Fazit: Wir fahren das Risiko zurück. Wir sehen zwei Wege, Portfolios für die Fülle an möglichen Szenarien nach dem Neustart zu positionieren: durch sehr gezielte Engagements in aussichtsreichen Anlagesegmenten und durch das Stärken ihrer Widerstandskraft.

Der Weg zur Klimaneutralität ist nicht erst in einigen Jahren, sondern schon jetzt zentral. Die Versorgungsengpässe sind Realität, und die tektonische Kapitalverschiebung zugunsten nachhaltiger Anlagen ist in vollem Gange.

Viele glauben, dass die Eindämmung des Klimawandels die Wirtschaft belastet und die Inflation anfacht. Das sehen wir anders. Sicher wären die Aussichten besser, wenn es keinen Klimawandel gäbe. Aber das ist keine Option: Er ist Realität. Damit hat ein reibungsloser Übergang zu Netto-Null-Emissionen ein höheres Wachstum und eine niedrigere Inflation zur Folge als alle anderen Szenarien. Ohne Klimaschutz oder bei einem chaotischen Übergang ist mit schwächerem Wachstum und noch höherer Inflation zu rechnen.

Wir sind überzeugt, dass der Übergang vor dem Hintergrund der tektonischen Kapitalverschiebung zum Umbau der Volkswirtschaften auf Jahre hinaus die Renditen antreiben wird. Plötzliche Umschichtungen aus kohlenstoffintensiven Unternehmen und Sektoren könnten disruptive Folgen haben und den Inflationsdruck erhöhen. Auch die großen CO2-Verursacher, die ihre Geschäftsmodelle umstellen, werden Kapital benötigen. Daraus und aus dem hohen Investitionsbedarf für neue Technologien und saubere Energieinfrastrukturen können sich interessante Anlagechancen ergeben.

Die Schwellenländer (ohne China) verursachen etwa ein Drittel der weltweiten Emissionen. Sie spielen daher auf dem Weg zur globalen Klimaneutralität eine zentrale Rolle. Aber ihnen fehlt dafür das nötige Geld.

Nach unserer Schätzung benötigen die Schwellenländer mindestens eine Billion US-Dollar pro Jahr. Das ist das Sechsfache dessen, was aktuell investiert wird. Die einzige Möglichkeit, das erforderliche private Kapital zu mobilisieren, besteht unseres Erachtens darin, dass die Industrieländer, die es sich leisten können, mehr staatliche Mittel bereitstellen. Nur so kann die globale Wende aus unserer Sicht gelingen.

Unser Fazit: Mit Blick auf den grünen Wandel bevorzugen wir nachhaltige Lösungen in allen Anlageklassen. Qualitätsaktien, etwa aus dem Technologie- und Gesundheitssektor, sehen wir in einer guten Ausgangsposition.

 

Video 47:26

Ausblick 2022 mit Dr. Martin Lück & Markus Jordan von extraETF

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