LARRY FINKS JÄHRLICHER BRIEF AN CEOs

Larry Fink

Sehr geehrte/r CEO,

wir bei BlackRock sind Treuhänder unserer Kunden. Wir helfen ihnen, ihre langfristigen Ziele zu erreichen. Der Großteil des von uns verwalteten Geldes dient der Sicherung des Ruhestands – von Lehrern, Feuerwehrleuten, Ärzten, Unternehmern und vielen anderen. Es ist ihr Geld, das wir verwalten, nicht unser eigenes. Mit dem Vertrauen, das unsere Kunden in uns setzen, und unserer Rolle als Bindeglied zwischen ihnen und den Unternehmen, in die sie investieren, geht eine große Verantwortung einher, uns für die Belange unserer Kunden einzusetzen.

Aus diesem Grund wende ich mich jedes Jahr mit einem Brief an Sie, in dem ich Themen anspreche, die für das Schaffen von dauerhaften Werten von entscheidender Bedeutung sind. Themen wie Kapitalverwaltung, langfristige Strategien, Unternehmenszweck und Klimawandel. Seit Langem sind wir davon überzeugt, dass es unseren Kunden als Aktionäre Ihrer Unternehmen zugutekommt, wenn Sie beständige und nachhaltige Werte für alle Ihre Stakeholder schaffen.

Mit dem Schreiben dieser Briefe begann ich unter dem noch frischen Eindruck der Finanzkrise. Im vergangenen Jahr erlebten wir jedoch etwas viel Folgenschwereres – eine Gesundheitskrise, die unsere gesamte Welt erfasst und verändert hat. Schon jetzt hat sie viele Menschenleben gefordert und die Art wie wir leben, arbeiten und lernen, aber auch unsere Gesundheitsversorgung und vieles mehr grundlegend verändert.

Die Belastungen der Pandemie sind sehr ungleich verteilt. Sie löste weltweit die schwerste Rezession seit der Großen Depression und den stärksten Kurseinbruch an den Aktienmärkten seit 1987 aus. Aber während einige Branchen, insbesondere solche, die von menschlichen Kontakten leben, ins Mark getroffen wurden, haben sich andere angepasst und florieren. Und auch wenn die Erholung der Aktienmärkte für die Zeit nach dem Abklingen der Pandemie Gutes für das Wachstum verheißt, hat die Wirtschaft derzeit mit großen Verheerungen zu kämpfen: So hat die Arbeitslosigkeit massiv zugenommen, täglich schließen kleine Unternehmen für immer ihre Türen und überall auf der Welt fehlt vielen Familien das Geld, um ihre Miete zu bezahlen und Lebensmittel kaufen zu können.

Die Pandemie hat zudem Trends beschleunigt – angefangen von der sich verschärfenden Rentenkrise bis hin zu systembedingten Ungleichheiten. Ende des Frühjahrs kam zu der Pandemie eine beispiellose Protestwelle gegen Rassendiskriminierung in den Vereinigten Staaten und rund um den Globus hinzu. In jüngster Zeit hat sie in den USA die politischen Turbulenzen verschärft. Diesen Monat mussten wir erleben, wie die tiefe Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft in Gewalt umschlug – angestachelt durch Lügen und politischen Opportunismus. Die Ereignisse vor dem Kapitol in Washington führten uns vor Augen, wie kostbar und fragil unser demokratisches System ist.

Aber obwohl die vergangenen zwölf Monate eine schwere Zeit waren, gibt es auch Grund zur Hoffnung. Wir erleben, dass Unternehmen mutig vorangehen und Verantwortung für ihre Stakeholder übernehmen. In kürzester Zeit entwickelten sie neue Ideen, um die Versorgung mit Lebensmitteln und Waren während der Lockdowns sicherzustellen. Zugleich scheuten sie weder Geld noch Mühe, um gemeinnützige Organisationen bei ihrer Arbeit für Menschen in Not zu unterstützen. Dass in Rekordzeit mehrere Impfstoffe entwickelt wurden, zählt zu einem der großen Erfolge der modernen Wissenschaft. Viele Unternehmen reagierten auch auf Forderungen für Rassengleichheit zu sorgen, wenngleich auf dem Weg dorthin noch viel Arbeit vor ihnen liegt. Besonders erstaunlich war für mich, dass sich Unternehmen trotz der Verwerfungen, die das Jahr 2020 mit sich brachte, entschlossen den Herausforderungen des Klimawandels stellten.

Ich bin davon überzeugt, dass die Pandemie zu einer existenziellen Krise geworden ist, die uns schonungslos vor Augen führt, wie verletzlich wir sind. Sie hat uns auch dazu veranlasst, uns noch intensiver mit der globalen Bedrohung durch den Klimawandel auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, wie er – ähnlich wie die Pandemie – unser Leben verändern wird. Dies erinnert uns daran, dass die größten Krisen – ob medizinischer oder ökologischer Art – eine globale und entschlossene Antwort erfordern.

Im vergangenen Jahr waren wir nicht nur Zeugen des zunehmenden physischen Tributs, den die Erderwärmung in Form von Bränden, Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen fordert. Auch die direkten finanziellen Folgen treten immer stärker zutage. So müssen Energieunternehmen klimabedingt milliardenhohe Abschreibungen für verlorene Investitionen vornehmen. Unterdessen rücken Regulierer das Risiko, das der Klimawandel für das globale Finanzsystem mit sich bringt, in den Fokus. Zunehmend Beachtung finden aber auch die erheblichen wirtschaftlichen Chancen, die der Übergang mit sich bringen wird, und die Frage, wie er auf eine Weise erfolgen kann, bei der die Lasten gerecht auf alle verteilt werden. Kein anderes Thema hat für unsere Kunden höhere Priorität als der Klimawandel. Fast täglich erreichen uns dazu Fragen von ihnen.

TEKTONISCHE VERSCHIEBUNG BESCHLEUNIGT SICH

Im Januar des vergangenen Jahres schrieb ich Ihnen, dass Klimarisiken auch Investmentrisiken sind. Sobald die Märkte beginnen würden, das Klimarisiko bei Wertpapieren einzupreisen, so führte ich aus, würde dies eine grundlegende Umschichtung von Kapital in Gang setzen. Dann kam das Coronavirus und im März schien allen klar, dass durch die Pandemie die Klimakrise in den Hintergrund treten würde. Aber genau das Gegenteil geschah. Und damit beschleunigte sich die Kapitalumschichtung noch stärker, als ich erwartet hatte.

Von Januar bis November 2020 investierten Anleger weltweit 288 Milliarden US-Dollar in Nachhaltigkeitsfonds und -ETFs. Das ist ein Anstieg von 96 % gegenüber dem Vorjahr.1 Ich bin überzeugt, dass dies der Beginn eines sich rasant beschleunigenden Wandels ist, der sich über viele Jahre hinweg vollziehen und die Preise von Vermögenswerten jeglicher Art grundlegend verändern wird. Wir wissen, dass Klimarisiken Investmentrisiken sind. Aber wir sind auch überzeugt, dass die klimabedingten Veränderungsprozesse historische Anlagechancen mit sich bringen.Von zentraler Bedeutung für diesen Wandel sind nachhaltige Anlageprodukte, die für alle verfügbar und erschwinglich sind. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war der Aufbau eines klimabewussten Portfolios ein mühsames Unterfangen, das nur große institutionelle Anleger stemmen konnten. Seitdem es nachhaltige Indexanlagen am Markt gibt, hat sich jedoch die Umschichtung zugunsten von Unternehmen, die besser auf das Klimarisiko vorbereitet sind, rasant beschleunigt.

Heute stehen wir an der Schwelle zu einer weiteren Transformation. Dank innovativer Technologie und besserer Daten können Vermögensverwalter inzwischen mehr Menschen maßgeschneiderte Indexportfolios anbieten – auch davon profitierten früher nur die größten Investoren. Immer mehr Anleger geben nun Unternehmen, die Nachhaltigkeit in den Fokus stellen, den Vorzug. Damit nimmt die massive Kapitalumschichtung, die wir derzeit beobachten, weiter Fahrt auf. Und weil dies die Kapitalallokation erheblich beeinflussen wird, muss jede Unternehmensführung und jeder Vorstand die Folgen dieser Entwicklung für die Aktien seines Unternehmens berücksichtigen.

Das vergangene Jahr hat aber nicht nur Veränderungen des Anlegerverhaltens bewirkt. Es war auch richtungweisend, was die Maßnahmen der Politik gegen den Klimawandel anbelangt. Neben der EU haben sich auch China, Japan sowie Südkorea in einem historischen Akt verpflichtet, klimaneutral zu werden. In der vergangenen Woche kündigten zudem die USA an, dass sie dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten werden. 127 Regierungen, die für mehr als 60 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, erwägen oder verpflichten sich bereits, Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Diese Dynamik wird sich dieses Jahr weiter beschleunigen – mit einschneidenden Folgen für die Weltwirtschaft.

LARRY FINK ÜBER UNSERE NACHHALTIGE ZUKUNFT

Larry Fink, Chairman und CEO von BlackRock, erläutert, wie die Energiewende und die weit verbreitete Verpflichtung zur Klimaneutralität die Weltwirtschaft grundlegend umgestalten werden. 

DIE CHANCEN EINES ÜBERGANGS ZU NETTO-NULL-EMISSIONEN

Es gibt kein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell nicht fundamental vom Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft betroffen sein wird. Einer Wirtschaft, die nicht mehr Kohlendioxid ausstoßen wird, als sie der Atmosphäre entzieht. Und das ab 2050, dem Jahr, das die Wissenschaft als spätesten Zeitpunkt ermittelt hat, wenn es uns gelingen soll, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2ºCelsius zu begrenzen. Je stärker sich der Übergang beschleunigt, desto mehr werden sich Unternehmen mit einer fundierten langfristigen Strategie und einem Plan für den Übergang zur Klimaneutralität bei ihren Stakeholdern profilieren. Also bei ihren Kunden, den politischen Entscheidungsträgern, ihren Mitarbeitern und Aktionären, die ihnen vertrauen, dass sie ihr Unternehmen gut durch diesen globalen Transformationsprozess steuern werden. Bei Unternehmen dagegen, die die nötigen Anpassungen auf die lange Bank schieben, werden das Geschäft und die Bewertungen leiden. Denn dieselben Stakeholder werden das Vertrauen verlieren, dass es diesen Unternehmen gelingt, ihre Geschäftsmodelle den bevorstehenden dramatischen Veränderungen anzupassen.

Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass Klimaneutralität einen Wandel in der gesamten Wirtschaft erforderlich macht. Wissenschaftler sind sich einig, dass die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen um jährlich 8-10 % auf „Netto null“ bis 2050 sinken müssen. Nur dann werden wir das Ziel des Pariser Abkommens erreichen, die Erderwärmung bis 2100 auf „deutlich unter 2°Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt“ zu begrenzen. Immer noch ist die Wirtschaft in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig. Dies lässt sich auch am tiefen CO2-Fußabdruck großer Börsenbarometer wie dem S&P 500 Index oder dem MSCI World Index ablesen. Ändern wir nichts, steuern sie auf ein Szenario mit einem globalen Temperaturanstieg von deutlich über 3ºC zu.2

Für einen erfolgreichen Übergang, bei dem die Lasten gerecht verteilt sind und der unsere Lebensgrundlagen nicht gefährdet, sind technologische Innovationen und eine auf Jahrzehnte angelegte Planung unverzichtbar. Erreicht werden kann er nur durch staatliche Führung, Koordinierung und Unterstützung auf allen Ebenen. Zusammen mit dem Privatsektor müssen Regierungen daran arbeiten, den Wohlstand zu maximieren. Gemeinschaften und Entwicklungsländer, die ohnehin anfällig sind und von denen viele bereits besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden, können sich den wirtschaftlichen Schock eines schlecht ausgeführten Übergangs am wenigsten leisten. Wir müssen dafür sorgen, dass die dringend erforderlichen Veränderungen in einer Weise vonstattengehen, dass sie den Schwächsten keine doppelten Lasten aufbürden.

Der Übergang wird sich unweigerlich komplex und schwierig gestalten. Er ist jedoch unerlässlich, um eine widerstandsfähigere Wirtschaft zu schaffen, die mehr Menschen als bisher zugutekommt. Ich bin sehr optimistisch, was die Zukunft des Kapitalismus und der Wirtschaft anbelangt – nicht trotz der Energiewende, sondern gerade wegen ihr.

Anleger können ihre Portfolios jedoch nur dann auf die Phase des Übergangs vorbereiten, wenn sie nachvollziehen können, wie sich jedes einzelne Unternehmen an die physischen Bedrohungen des Klimawandels anpasst und auf den Übergang zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft vorbereitet. Sie fordern daher von Vermögensverwaltern wie BlackRock, dass wir unsere Daten und Analysen in diesem Bereich verbessern. Wir sind entschlossen, ihrer Forderung nachzukommen.

WARUM DATEN UND OFFENLEGUNG EINE WICHTIGE ROLLE SPIELEN

Eine fundierte Einschätzung von Nachhaltigkeitsrisiken ist Anlegern nur möglich, wenn sie Zugang zu konsistenten, verlässlichen und wesentlichen Informationen haben. Aus diesem Grund forderten wir im vergangenen Januar alle Unternehmen auf, ihre Nachhaltigkeitsberichte an den Empfehlungen der Task-Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und den Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) auszurichten. Diese decken eine breitere Palette wesentlicher Nachhaltigkeitsfaktoren ab. Die seitdem zu beobachtende Entwicklung ist überaus ermutigend: Die Zahl der Unternehmen, die Berichte gemäß den SASB-Empfehlungen erstellen, ist um 363 % gestiegen. Mehr als 1.700 Organisationen orientieren sich nach eigenen Angaben bei ihren Veröffentlichungen an den TCFD-Vorgaben. Im vergangenen Jahr hat BlackRock zum ersten Mal TCFD- und SASB-Berichte veröffentlicht.

TCFD-Berichte sind der weltweite Standard. Sie helfen Anlegern zu verstehen, welchen elementaren Klimarisiken Unternehmen ausgesetzt sind und wie sie damit umgehen. Für die Wachstumsaussichten eines jeden Unternehmens wird die Energiewende von zentraler Bedeutung sein. Wir rufen Unternehmen daher dazu auf, einen Plan vorzulegen, aus dem hervorgeht, wie sie ihr Geschäftsmodell an eine klimaneutrale Wirtschaft anpassen wollen - also an eine Wirtschaft, in der die Erderwärmung auf deutlich unter 2°Celsius begrenzt wird und die mit dem globalen Ziel von Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 vereinbar ist. Wir fordern Sie auf darzulegen, wie Sie diesen Plan in Ihre langfristige Geschäftsstrategie einbinden und wie Ihr Aufsichtsrat die Einhaltung überprüfen wird.

Mit Klimarisiken sind aber nicht nur Unternehmen konfrontiert. Wir sind der Meinung, dass beispielsweise auch staatliche und staatsnahe Emittenten offenlegen sollten, wie sie mit klimabezogenen Risiken umgehen. Messung und Offenlegung der Risiken sind aber nicht die einzigen Herausforderungen. Auf der ganzen Welt müssen Regierungen, denen die Pandemie eine drückende Schuldenlast aufgebürdet hat, große Infrastrukturprojekte in Angriff nehmen, um ihre Bürger vor Klimarisiken zu schützen und ihnen saubere Energie zur Verfügung zu stellen. Die Finanzierung dieser Projekte erfordert kreative öffentlich-private Partnerschaften, aber auch eine bessere Offenlegung, um Investoren zu gewinnen.

BLACKROCKS VERPFLICHTUNG ZU NETTO-NULL-EMISSIONEN

Die Welt hat sich auf den Weg zur Klimaneutralität gemacht. Bei BlackRock sind wir überzeugt, dass unseren Kunden am besten gedient ist, wenn wir bei diesem Übergang eine führende Rolle übernehmen. Unser Geschäftsbetrieb ist bereits heute kohlenstoffneutral. Zudem verpflichten wir uns, unseren Beitrag zu dem Ziel zu leisten, dass Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis spätestens 2050 erreicht werden. Keinem Unternehmen fällt es leicht, für die kommenden dreißig Jahre zu planen. Dennoch glauben wir, dass alle Unternehmen – BlackRock miteingeschlossen – den Übergang zu einer Klimaneutralität heute in Angriff nehmen müssen. Mit Hilfe einer Reihe von Maßnahmen wollen wir unseren Anlegern helfen, ihre Portfolios auf eine klimaneutrale Welt vorzubereiten. Dies schließt auch ein, dass wir die Chancen, die dieser Übergang bereithält, beherzt ergreifen.

Unsere Maßnahmen erläutern wir ausführlicher in einem Brief, den wir heute an unsere Kunden geschickt haben. Dazu gehört, dass wir eine Kennzahl zur Klimaausrichtung („Temperature Alignment Metric“) für unsere Aktien- und Anleihe-Publikumsfonds veröffentlichen, sofern ausreichende Daten verfügbar sind. Zudem werden wir Klimafaktoren bei unseren Kapitalmarktprognosen berücksichtigen. Für unsere aktiven Portfolios führen wir ein spezielles Kontrollmodell („Heightened-Scrutiny Model“) ein, mit dem wir Wertpapiere, die erhebliche Klimarisiken mit sich bringen, managen werden. Es wird auch Bestände kenntlich machen, denen der Ausschluss aus dem Portfolio droht. Als weitere Maßnahmen planen wir die Auflegung von Anlageprodukten mit expliziten Zielen für den Erwärmungsbeitrag, darunter solche, die auf Klimaneutralität ausgerichtet sind. Außerdem werden wir unsere Investment-Stewardship-Aktivitäten dazu einsetzen, dass die Unternehmen, in die unsere Kunden investieren, Strategien zur Klimarisikominderung umsetzen, aber auch die Chancen ergreifen, die der Übergang zu Netto-Null-Emissionen ihnen eröffnet.

BLACKROCKS VERPFLICHTUNG ZU NETTO-NULL-EMISSIONEN

Der weltweite Übergang zu einer Wirtschaft mit Netto-Null-Emissionen nimmt Fahrt auf – mit gravierenden Folgen für Anleger. Erfahren Sie, wie wir unseren Kunden helfen, die Phase des Übergangs zu meistern.

NACHHALTIGKEIT UND ENGERE BEZIEHUNGEN ZU STAKEHOLDERN FÜR BESSERE ERTRÄGE

2018 forderte ich in meinem Brief jedes Unternehmen auf, seinen Zweck und Nutzen für alle seine Stakeholder klar zu artikulieren – für Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden und die Gesellschaft, in denen es tätig ist. Im Verlauf des vergangenen Jahres konnten wir sehen, wie diejenigen zweckorientierte Unternehmen mit besseren Umwelt-, Sozial- und Governance-(ESG)-Profilen ihre Wettbewerber hinter sich ließen. 81 % einer global repräsentativen Auswahl von Nachhaltigkeitsindizes übertrafen 2020 ihre Ursprungsindizes.3 Noch augenfälliger war ihre überdurchschnittliche Entwicklung während des Markteinbruchs im ersten Quartal. Dies ist damit ein weiteres Beispiel für die Resilienz von Nachhaltigkeitsfonds, das wir schon im Verlauf früherer Abschwünge beobachten konnten.4 Die inzwischen größere Auswahl an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten wird das Interesse der Anleger an diesen Fonds wie bereits im vergangenen Jahr weiter anfachen.

Aber das ist noch nicht alles, denn nicht nur breit aufgestellte ESG-Indizes haben besser als traditionelle Indizes abgeschnitten. Ein ähnliches Muster sehen wir auch auf Branchenebene, angefangen von Automobilen über Banken bis hin zur Ölindustrie und Gasunternehmen: Unternehmen mit besseren ESG-Profilen übertreffen Wettbewerber, die diesen Faktoren kaum Beachtung schenken. Sie profitieren von einer „Nachhaltigkeitsprämie“.5

Hieran wird deutlich: Durch gute, auf Vertrauen basierte Beziehungen zu allen Stakeholdern und ein an ihrem Zweck ausgerichtetes Handeln können Unternehmen die Veränderungen in der Welt richtig einschätzen und angemessen darauf reagieren. Ignorieren sie ihre Stakeholder, gehen sie damit ein großes Risiko ein. Unternehmen, die sich dieses Vertrauen nicht verdienen, wird es zunehmend schwerfallen, Kunden sowie talentierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Denn diese legen immer mehr Wert darauf, dass Unternehmen ihre Werte teilen. Je besser Ihr Unternehmen seinen Zweck erfüllt, indem es Werte für seine Kunden, Mitarbeiter und das Gemeinwesen schafft, desto eher werden Sie wettbewerbsfähig sein und dauerhaft Gewinne für Ihre Aktionäre erwirtschaften können.

Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der es für Unternehmen wichtiger war, die Bedürfnisse ihrer Stakeholder in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Wir leben in einer Phase mit enormen Belastungen für die Wirtschaft. Wir stehen aber auch an einem historischen Scheideweg auf dem Weg zur Rassengerechtigkeit – die nur erreicht werden kann, wenn Unternehmen auch in dieser Hinsicht eine Führungsrolle einnehmen. Ein Unternehmen, das nicht versucht, das gesamte Spektrum an Talenten für sich zu nutzen, schwächt sich selbst. Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach weder die talentiertesten Mitarbeiter einstellen noch die Bedürfnisse seiner Kunden und des gesellschaftlichen Umfelds, in denen es tätig ist, erfüllen. Damit wird es auch weniger wahrscheinlich, dass es eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielt.

Probleme mit Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Rasse oder Ethnie sind weltweit unterschiedlich stark ausgeprägt. Wir erwarten jedoch von Unternehmen in allen Ländern, dass sie eine Personalstrategie verfolgen, mit der sie das gesamte Spektrum an Talenten nutzen. Machen Sie daher in Ihren Nachhaltigkeitsberichten bitte auch umfassende Angaben zu Ihrer Personalstrategie. Daraus sollten Ihre langfristigen Pläne für mehr Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion vor dem Hintergrund der Region, in der Sie tätig sind, hervorgehen. Wir lassen uns selbst an denselben Erwartungen messen.

Rassendiskriminierung, wirtschaftliche Ungleichheit oder gesellschaftliches Engagement werden in ESG-Diskussionen häufig als „S“-Themen klassifiziert. Eine harte Grenze zwischen den Nachhaltigkeitskategorien zu ziehen ist jedoch wenig zielführend. So leiden etwa einkommensschwache Gemeinschaften auf der ganzen Welt schon heute stärker unter dem Klimawandel als andere. Aber ist dies nun ein „E“- oder ein „S“-Thema? Es ist weniger wichtig, welcher Kategorie wir diese Themen zuordnen, sondern dass wir über die Informationen verfügen, um sie und ihre Verflechtungen zu verstehen. Verbesserte Daten und Offenlegung werden uns helfen, die Wechselbeziehungen zwischen ökologischen und sozialen Themen besser einzuordnen.

Ich bin Optimist. Ich sehe, wie viele Unternehmen diese Herausforderungen ernst nehmen. Wie sie den Forderungen nach mehr Transparenz, mehr Rechenschaftspflicht gegenüber ihren Stakeholdern nachkommen und sich besser auf den Klimawandel vorbereiten. Diese Entwicklung in den Unternehmen stimmt mich zuversichtlich. Nun ist es an den Unternehmenslenkern und -aufsichtsräten, mutig voranzugehen und sich für die Belange Ihrer Stakeholder einzusetzen. Wir müssen noch schneller handeln – mehr Arbeitsplätze und mehr Wohlstand schaffen und dürfen dabei niemanden zurücklassen. Ich habe großes Vertrauen in die Fähigkeit der Unternehmen, uns dabei zu helfen, diese Krise zu überwinden und einen inklusiveren Kapitalismus zu schaffen.

Vor der Corona-Pandemie dauerte die Entwicklung von Impfstoffen im Schnitt zehn bis 15 Jahre. Am schnellsten ging es beim Impfstoff gegen Mumps, der innerhalb von vier Jahren zur Verfügung stand. Aktuell gibt es mehrere große Pharmafirmen aus verschiedenen Ländern, denen es gelungen ist, in weniger als einem Jahr ein Corona-Vakzin zu entwickeln. Sie stellen damit unter Beweis, zu welcher Leistung Unternehmen – und der Kapitalismus – fähig sind, wenn es gilt, Lösungen für drängende Probleme der Menschheit zu finden. Für den Weg aus der Pandemie und angesichts der enormen wirtschaftlichen Schäden und ungleich verteilten Lasten brauchen wir Unternehmen, die sich eine Form des Kapitalismus zu eigen machen, die allen Stakeholdern dient.

Der Impfstoff ist ein erster Schritt. Noch hat die Krise die Welt fest im Griff, und das wird auch noch einige Zeit so bleiben. Vor uns liegen große Herausforderungen. Unternehmen, die sie annehmen und die Schaffung langfristiger Werte für ihre Stakeholder anstreben, werden dazu beitragen, langfristige Renditen für ihre Aktionäre und eine bessere, erfolgreiche Zukunft für uns alle zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Larry Fink Signature

Larry Fink
Chairman und Chief Executive Officer
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