SMART ANLEGEN MIT FAKTOR-ROTATION

Hamed Mustafa
Hamed Mustafa
Leiter Institutional Sales ETF und Index Investments
Oktober 2019

Angesichts tendenziell niedrigerer Marktrenditen, erhöhter Volatilität und veränderter Korrelationsmuster sind Investoren mehr denn je darauf bedacht, ihre Portfolios möglichst breit aufzustellen. Durch eine hohe Diversifizierung wollen sie Chancen am Kapitalmarkt möglichst umfassend nutzen und somit die Risiko-Rendite-Profile ihrer Portfolios weiter optimieren. 

Stil-Faktoren wirken als
positive Renditetreiber

Im Hinblick auf die Optimierung von Risiko-Rendite-Profilen bringen Stil-Faktoren einen entscheidenden Mehrwert ins Portfolio. In der akademischen Forschung haben sich fünf Stil-Faktoren herauskristallisiert, die am Kapitalmarkt als positive Renditetreiber wirken und langfristig Bestand haben: geringere Unternehmensgröße (Size) und hohe Unternehmensqualität (Quality) sowie niedrige Bewertung (Value), geringe Schwankungsbreite (Minimum Volatility) und positive Kursdynamik (Momentum) von Aktien.

Diese lassen sich auf drei Ursachen zurückführen. Einige kompensieren Investoren für höhere Risiken. Andere beruhen auf strukturellen Ursachen, etwa Marktregeln oder Anlagebeschränkungen von Investoren. Aus der damit verbundenen Unzugänglichkeit gewisser Marktsegmente für bestimmte Gruppen ergeben sich Chancen für Investoren mit größeren Anlagefreiheiten. Und schließlich gibt es Stil-Faktoren, die auf dem Anlegerverhalten beruhen – zum Beispiel Herdentrieben oder Panikverkäufen.

Dies schafft Opportunitäten für Investoren mit Sichtweisen abseits des Mainstreams.
Analysen zeigen, dass alle fünf genannten Stil-Faktoren im Vergleich zum breiten Markt langfristige Mehrrenditen erzielen können. Allerdings wirken die Faktoren abhängig vom Marktzyklus nicht immer in gleichem Maße. Insofern ist die richtige Kombination auf Basis regelmäßiger, umfassender Analysen für den Anlageerfolg entscheidend.

Zusätzliche Diversifikation zur Risiko-Rendite-Optimierung

Ebenso entscheidend ist, eine wirkliche Diversifizierung sicherzustellen. Beispielsweise können Konjunktur-, Inflations-, Liquiditäts- und Zinsentwicklungen sowohl Aktien- als auch Anleihenmärkte prägen. Das war unter anderem Mitte Dezember 2018 zu beobachten, als die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs skizzierte, woraufhin sowohl Aktien als auch Anleihen nachgaben. Insofern führt eine bloße Aufteilung des Portfolios auf verschiedene Anlageklassen nicht unbedingt zu einer optimalen Streuung.

Faktoren
Arten von Unternehmen/Aktien
Günstige Umfelder
Smaller
Size
Kleinere, flexiblere
Unternehmen
Frühe Phasen im
Konjunkturzyklus
Value
Aktien mit niedrigen
Kursen im Vergleich zu
den Fundamentaldaten
Frühe Phasen im
Konjunkturzyklus
Momentum
Aktien mit
positivem Kurstrend
Trendmärkte und Wachstumsphasen
Quality
Unternehmen mit
soliden Bilanzen
Späte Phasen im
Konjunkturzyklus
oder Rezessionen
Minimum
Volatility
Aktien mit
unterdurchschnittlicher
Volatilität
Volatile, risikoaverse
und/oder fallende
Märkte
Quelle: BlackRock. Nur zur Veranschaulichung.

Faktor-Rotation ermöglicht, Chancen dynamisch zu nutzen

Wie sich Stil-Faktoren idealerweise kombinieren lassen, wird in der akademischen Forschung lebhaft diskutiert. An den beiden äußeren Enden des Meinungsspektrums kristallisieren sich zwei Ansätze heraus: zum einen die statische Aufteilung des Vermögens, sodass jeder Faktor unabhängig vom Marktumfeld stets das gleiche Gewicht im Portfolio hat; zum anderen der Versuch, Faktoren zu timen, also: dem Marktumfeld entsprechend den jeweils richtigen Zeitpunkt zum Ein- bzw. Ausstieg zu erwischen und so im Rahmen einer Faktor-Rotationsstrategie zu einer dynamischen Allokation zu gelangen.

Unserer Erfahrung nach lässt sich die Effizienz dieser beiden Ansätze weiter optimieren, gewissermaßen durch einen Mittelweg. Dieser besteht aus einer strategischen Gleichgewichtung der einzelnen Faktoren und wird entsprechend der Marktsignale um taktische Schwerpunkte ergänzt, wobei zu jeder Zeit in alle Faktoren investiert wird.

Ein solcher Ansatz bietet zwei potenzielle Ertragsquellen: erstens langfristige statische Faktorprämien im Rahmen eines breit aufgestellten Portfolios und zweitens Erträge, die sich aus den taktischen Schwerpunkten ergeben.

Um das Renditepotenzial einzelner Faktoren im jeweiligen Marktumfeld zu bewerten, sollten Investoren auf vier Parameter schauen:

  • Konjunkturumfeld, verbunden mit der Frage: Hat der entsprechende Faktor in einem solchen Umfeld historisch betrachtet gute Renditen geliefert?
  • Bewertung: Ist der Faktor im historischen Vergleich günstig oder hoch bewertet?
  • Relative Stärke: Gibt es einen Trend, der die positive Entwicklung des Faktors unterstützt?
  • Streuung, beziehungsweise die Frage: Wie robust ist das Umfeld in Bezug auf den Faktor

Was sind die Ergebnisse?

Je mehr dieser Signale in die Allokationsentscheidung einfließen, umso robuster fallen die Ergebnisse aus.
Um eine angemessene Diversifikation zu gewährleisten und Chancen umfassend zu nutzen, sollten Rotationsstrategien stets alle fünf eingangs genannten Stil-Faktoren im Portfolio berücksichtigen.

Unserer Erfahrung nach hat es sich unter dem Risiko-Rendite-Aspekt bewährt, diese Faktoren mit mindestens fünf und maximal 35 Prozent im Portfolio zu gewichten. Denn ein solcher Ansatz kann langfristig höhere risikobereinigte Renditen erzielen als der breite Markt und andere Anlagestrategien, zum Beispiel gleichgewichtete Portfolios oder statische Allokationen.

Der Grund dafür ist, dass die taktische Adjustierung sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten eine Outperformance ermöglicht. Bei anderen Ansätzen ist dieses Potenzial häufig auf einen der beiden genannten Fälle beschränkt. Zudem zeigen unsere Analysen, dass die Mehrrendite von Faktor-Rotationsstrategien weitgehend unkorreliert zur Outperformance aktiver Portfoliomanager ist.

Diese Ergebnisse verdeutlichen die vielfältigen Möglichkeiten zum Einsatz von Faktor-Rotationsstrategien. Investoren, die neben aktiv gemanagten Portfolios und indexnahen Strategien auch auf Faktor-Rotationsstrategien setzen, erweitern ihr Instrumentarium.

Damit können sie Portfolios noch effizienter gestalten, Risiko-Rendite-Verhältnisse optimieren, Kosten sparen, Portfolios für schwierige Marktphasen robuster aufstellen und noch vielfältigere Renditequellen nutzen.

Quality-Faktor ist aktuell
besonders aussichtsreich

Im aktuellen Marktumfeld sind die Faktoren Quality und Minimum Volatility unserer Ansicht nach besonders aussichtsreich. Denn die relative Stärke hat weiter leicht zugenommen, wenngleich auch die Bewertungen etwas gestiegen sind. Zudem sprechen die anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten dafür, diese eher defensiven Faktor überzugewichten.

Im Gegensatz dazu legen die Signale ein Untergewicht der Faktoren Momentum und Size nahe. Beide werden vom aktuellen Konjunkturumfeld nicht unterstützt. Momentum ist zudem hoch bewertet, die relative Stärke hat sich zuletzt verbessert. Bei Size bleibt die relative Stärke schwach ausgeprägt, die Bewertung fällt nun etwas günstiger aus.

Neutrale Positionierungen bieten sich bei dem Faktor Value an. In Bezug auf Value ist das Konjunkturumfeld nachteilig, zudem bleibt die relative Stärke schwach und hat zuletzt weiter abgenommen. Die attraktive Bewertung kann dies nicht aufwiegen.

ETFs erlauben eine besonders effiziente Umsetzung

In der Vergangenheit war die Möglichkeit, Renditetreiber in Form von Stil-Faktoren gezielt zu nutzen, großen institutionellen Investoren mit umfangreichen Anlagesystemen vorbehalten. Inzwischen machen entsprechende börsennotierte Indexfonds – sogenannte Smart-Beta-ETFs – Faktor-Rotationsstrategien einem breiteren Publikum von institutionellen Investoren und darüber hinaus auch weiteren Anlegergruppen zugänglich.

Beispielsweise bietet BlackRock iShares ETFs auf die Faktoren Size, Quality, Value, Minimum Volatility und Momentum an. Diese ermöglichen wahlweise Zugang zum globalen Aktienmarkt oder zu einzelnen Regionen wie den USA, Europa und Schwellenländern. Hinzu kommen grundlegendes Research zu Faktor-Rotationsstrategien sowie aktuelle Einschätzungen zu den einzelnen Stil-Faktoren, die bei der Umsetzung von Rotationsstrategien hilfreich sind.

Aufgrund des besonders effizienten Zugangs über ETFs und der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten nutzen Investoren Faktor-Rotationsstrategien immer stärker. Generell sind Faktorstrategien einer der Bereiche im Asset Management, die besonders dynamisch wachsen. In den vergangenen Jahren belief sich das organische Wachstum auf durchschnittlich rund elf Prozent pro Jahr, während es branchenweit im niedrigen einstelligen Prozentbereich lag. Wir gehen davon aus, dass diese hohe Dynamik anhalten wird oder sich sogar weiter beschleunigt – nicht zuletzt deshalb, weil Investoren vermehrt auf Transparenz und Kosten achten.

Risiken

Das vorliegende Material ist nicht als verlässliche Prognose, Untersuchung oder Anlageberatung zu verstehen und ist weder eine Empfehlung noch ein Angebot für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für eine bestimmte Strategie. Wir empfehlen nachdrücklich, dass Sie sich vor einer Finanzanlage professionell beraten lassen. Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Vergangene Wertentwicklung, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung und sollten bei der Auswahl eines Produkts nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden. Sowohl die Höhe der Steuer als auch ihre Berechnungsgrundlage können sich in der Zukunft ändern, beide sind außerdem abhängig von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers. Es gibt keine Garantie dafür, dass Investitionen in Finanzmärkten einen wirksamen Schutz gegen Inflation bieten.

Anleger sollten ihre Investmententscheidungen auf Grundlage des laufenden Verkaufsprospekts, der jüngsten Jahresberichte sowie dem Dokument mit den wesentlichen Anlegerinformationen, die auf unserer Website in deutscher Sprache erhältlich sind, treffen. Die wesentlichen Anlegerinformationen zu den einzelnen Fonds finden Sie hier.

*iShares verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung, ein weltweites Angebot von mehr als 800 börsengehandelten Indexfonds (auf Englisch: Exchange Traded Funds, ETFs) und 1,85 Billionen US-Dollar verwaltetes Vermögen. Die Fonds von iShares profitieren von der Portfolio- und Risikomanagement-Expertise des Vermögensverwalters BlackRock, der im Auftrag seiner Kunden mehr Geld verwaltet als jede andere Investmentgesellschaft (7,32 Billionen US-Dollar verwaltetes Vermögen, 30. Juni 2020).