„Es geht auch besser als der DAX“

ETFs haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Statt nur einem klassischen Index zu folgen, setzen sogenannte Factor-ETFs auf ausgefeiltere Strategien. Können solche „klügeren ETFs“ den aktiven Fondsmanager ersetzen? Werner Krieger von der GFA Vermögensverwaltung verrät, wann das schon sehr gut funktioniert – und wo aktive Manager noch die Nase vorn haben.

„Smart Beta“, „Faktor-Strategie“ – schon seit einigen Jahren haben diese Begriffe den bisherigen ETF-Kosmos erweitert. Die Idee dahinter: typische Strategien von Fondsmanagern in einem „passiven“ Fonds abzubilden, der festen Regeln folgt und nicht von der individuellen Auswahl eines  Fondsmanagers abhängt. Der große Vorteil: Diese „Faktor-ETFs“ sind deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds und versprechen zugleich eine bessere Performance als die nach Marktkapitalisierung gewichteten „klassischen“ Indizes. Klingt attraktiv – aber funktioniert das in der Praxis?

„Zuerst einmal“, holt GFA-Gründer und Geschäftsführer Werner Krieger kurz aus, „finde ich diese Begriffe Alpha und Beta, aktiv und passiv etwas irreführend. Einen Index wie den DAX könnte man im Grunde auch als aktiv gemanagte Marktstrategie bezeichnen.“ Wie die meisten anderen rein nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes nehme er die Aktien auf, die sich besonders stark entwickelt haben und deshalb zu den stärksten gewichteten (und meistgehandelten) Aktien Deutschlands zählen. Bei einem aktiven Fondsmanager wird die gezielte Auswahl von Aktien, die besonders stark im Wert ansteigen, auch als Momentum-Strategie bezeichnet. „Der DAX wäre allerdings nach Momentum-Gesichtspunkten dann schlecht gemanagt: Er nimmt die Momentum-Werte auf – aber reagiert viel zu spät, wenn eine Aktie sich in der Folge dann wieder schlecht entwickelt. Auch Underperformer werden so ewig gehalten.“ Ein ETF, der auf dem DAX basiert, sei also im strengen Sinne keine passive Anlage – sondern eine unbefriedigend umgesetzte Momentum-Strategie, wenn man das so sehen möchte. „Ein aktiver Fondsmanager hätte manchen DAX-Wert schon längst wieder aus seinem Portfolio genommen“, ist Krieger überzeugt.

Faktor-Strategien sorgen für Outperformance

Das bedeute aber keinesfalls, dass aktiv gemanagte Fonds passiven Strategien grundsätzlich überlegen seien. „Bei kleinen Aktienwerten kann es noch unentdeckte Perlen geben, die vom breiten Aktienmarkt bisher übersehen und noch nicht analysiert worden sind“, sagt Krieger. „Hier hat ein aufmerksamer Fondsmanager noch Vorteile gegenüber passiven Fonds.“ Doch bei großen Fonds mit hohen Volumina sei kein Platz mehr für Perlen – da sei der Vorteil des aktiven Managers dahingeschmolzen. „Günstige Faktor-ETFs sind dann die bessere Alternative.“ Krieger empfiehlt daher, sie klassischen Indizes beizumischen.

Typische Faktor-Strategien sind eine Momentum-Strategie oder eine Value-Strategie, die nach unterbewerteten Aktien suchen. Andere „Faktoren“ sind die Konzentration auf dividendenstarke („Quality“ oder Dividenden-Strategie) oder schwankungsarme („Low Volatility“) Titel. „Das kann ganz simpel sein: Schon eine Gleichgewichtung aller 30 DAX-Werte mit jeweils einem Dreißigstel-Anteil am Portfolio kann schon Vorteile gegenüber der Marktkapitalisierung des normalen DAX haben. Denn kleine Werte, die noch mehr Potential für Kurssteigerungen haben, wären in solch einem „Equal weighted Index“ stärker als bislang vertreten. Eine simple Momentum-Strategie wäre eine Konzentration auf die 25 Prozent aller DAX-Werte mit dem größten Momentum. Oder man kombiniert die 25 Prozent der Momentum-stärksten DAX-Werte mit den 25 Prozent der günstigsten Aktien, den Value-Titeln. „Die besten Faktor-Strategien wurden von erfolgreichen aktiven Managern entwickelt“, erläutert Krieger. „Einfach die vergangenen 30 Jahre zu analysieren und daraus dann eine Faktor-Strategie abzuleiten – das reicht nicht. Man muss auch viel Erfahrung und Ahnung von Kapitalmärkten mitbringen.“

Es gibt keine Einzelstrategie, die immer gewinnt

Krieger weist aber auch darauf hin: „Es gibt keine einzelne Strategie, die in jeder Phase eine Outperformance bringt. Sie müssen sich immer auf Schwächephasen einer bestimmten Faktor-Strategie einrichten.“ Eine Kombination aber beispielsweise von 50 Prozent Momentum- und 50 Prozent Value-Strategie verkürze die „Durststrecken“. Natürlich sei dies noch nicht perfekt, doch: „Da die allermeisten ETF-Nutzer gar keiner Systematik folgen und meist aus dem Bauch heraus entscheiden, ist eine diszipliniert umgesetzte Strategie in der Regel erfolgreicher. Wer diese Disziplin nicht mitbringt – dem rate ich hingegen weiter zu Standard-ETFs.“

Krieger glaubt darum auch nicht an einen Siegeszug von Faktor-Strategien. „Ein strategischer Anleger hätte einen Großteil des Aktienmarktaufschwung Anfang dieses Jahres verpasst. So etwas tut dem Anlegerbauch natürlich weh. Er hat es am liebsten, wenn sein Portfolio möglichst so läuft wie der Index – und das ist bei bestimmten Strategien eben bewusst entkoppelt.“ Für alle, die aber die Disziplin haben, einer klugen Strategie zu folgen, seien Faktor-Strategien per ETF aber geeignet, den Markt mittel- und langfristig zu schlagen.

Lesen Sie auch

Risiken

Das vorliegende Material ist nicht als verlässliche Prognose, Untersuchung oder Anlageberatung zu verstehen und ist weder eine Empfehlung noch ein Angebot für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für eine bestimmte Strategie. Wir empfehlen nachdrücklich, dass Sie sich vor einer Finanzanlage professionell beraten lassen. Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Vergangene Wertentwicklung, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung und sollten bei der Auswahl eines Produkts nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden. Sowohl die Höhe der Steuer als auch ihre Berechnungsgrundlage können sich in der Zukunft ändern, beide sind außerdem abhängig von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers. Es gibt keine Garantie dafür, dass Investitionen in Finanzmärkten einen wirksamen Schutz gegen Inflation bieten.

Anleger sollten ihre Investmententscheidungen auf Grundlage des laufenden Verkaufsprospekts, der jüngsten Jahresberichte sowie dem Dokument mit den wesentlichen Anlegerinformationen, die auf unserer Website in deutscher Sprache erhältlich sind, treffen. Die wesentlichen Anlegerinformationen zu den einzelnen Fonds finden Sie hier.

*iShares verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung, ein weltweites Angebot von mehr als 800 börsengehandelten Indexfonds (auf Englisch: Exchange Traded Funds, ETFs) und 2 Billionen US-Dollar verwaltetes Vermögen. Die Fonds von iShares profitieren von der Portfolio- und Risikomanagement-Expertise des Vermögensverwalters BlackRock, der im Auftrag seiner Kunden mehr Geld verwaltet als jede andere Investmentgesellschaft (7,4 Billionen US-Dollar verwaltetes Vermögen, 31. Dezember 2019).

MKTGH0919E-942297-1/18