WAS ZEICHNET EINE ERFOLGREICHE ANLAGESTRATEGIE AUS?

Wir haben einen Versicherer, einen Robo-Advisor, einen Honorarberater und einen Vermögensverwalter an einen Tisch geholt und gefragt: Was macht den Kern einer erfolgreichen Anlagestrategie aus? Hier sind ihre Ratschläge.

Ein Interview mit Jürgen Henzler von der Versicherungsgesellschaft Alte Leipziger, Davor Horvat von der Honrarfinanz AG, Werner Krieger von der GFA Vermögensverwaltung und Lars Brennholt, zuständig für den Roboadvisor Pixit der Targobank.

Kommen wir gleich zum Kern unseres Themas. Was sollte unbedingt Bestandteil einer erfolgreichen Anlagestrategie sein? Aktien? Anleihen? Immobilien?

Krieger: Moment. Bevor ich mit einem Kunden in diese Diskussion einsteige, sollte ich erst einmal klären, welches Risikoprofil er eigentlich hat. Und welche Ziele er mit der Geldanlage verfolgt, welchen Zeithorizont er sich vorstellt. Erst wenn das geklärt ist, sprechen wir über Anlagemöglichkeiten.

Horvat: Und dann ist wichtig, dass man überhaupt erst einmal anfängt mit dem Investieren. Sie lachen – aber ich kenne Anleger, die warten seit 2008 auf den richtigen Zeitpunkt, um einzusteigen.

Das gilt jetzt aber vor allem für Aktien, oder?

Henzler: Da sind die Deutschen wirklich eigen. Hierzulande wird sehr viel Geld vernichtet, weil Anleger meinen, durch richtiges Timing, also die Auswahl eines günstigen Einstiegszeitpunkts, den Markt schlagen zu können.

Brennholt: Bei mittel- bis langfristigen Anlagehorizonten spielt das Timing aber eigentlich keine Rolle. Sie werden so oder so mit Aktien langfristig eine gute Rendite erzielen.

Horvat: Wer sich unsicher ist, kann ja in Tranchen einsteigen. Dass das aber wirklich einen Performance-Unterschied macht, wage ich zu bezweifeln. Das scheint mir eher nur für ein gutes Gefühl beim Anleger hilfreich zu sein.

Krieger: Da muss ich jetzt aber widersprechen. Das Timing macht schon einen Unterschied, und der Markt kann auch geschlagen werden durch systematisches Timing und Auswahl der Aktien.

Horvat: Aber nicht in der Praxis. Schauen Sie sich doch die einschlägigen Untersuchungen an, die sind da eindeutig.

Krieger: Leider wahr. Weil sich Anleger nicht an die Strategie halten. Zu 90 Prozent vernichtet der Otto-Normal-Anleger seine Rendite wieder durch falsches Timing.

Henzler: Das ist etwas, was ich auch nach Jahren im Geschäft noch immer nicht verstehe. Deutsche kaufen bei Höchstständen Aktien und verkaufen sie dann wieder, sobald es an den Märkten wackelt.

Brennholt: Während sie beim Waschmittel-Sonderangebot in den Supermarkt laufen, um sich mit Waschmittel einzudecken. Warum machen sie das nicht bei günstigen Aktien?!

Henzler: Mit einem Sparplan wäre man immer dabei – und würde bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile einkaufen.

Krieger: Es ist letztlich die Jagd nach der ganzen Wurst. Es gibt viele gute Ansätze zum Markt-Timing, die Trends aufdecken und denen folgen. Damit bekommt man die Wurst, jedoch nicht die Zipfel, weil man erst später einsteigt und früher aussteigt. Der Anleger ist aber gerne ganz eng am Markt, er will auch die Wurstzipfel mitnehmen. Möchte unbedingt am Tiefstand ein- und am Höchststand aussteigen. Da den niemand kennt, verlässt er sich auf seinen Bauch. Und das ist das größte Problem. Er sieht die Nachrichten und ruft uns hektisch an: „Warum macht Ihr nichts, wofür zahle ich Euch?!“ Dabei verfolgen wir nur konsequent unsere Strategie, auch wenn es wie Untätigkeit aussehen mag.

Henzler: Hin und her macht Taschen leer – das ist nicht nur eine alte Börsenweisheit. Untersuchungen zeigen, dass rund 2 Prozent Rendite durch Aktionismus verlorengehen.

Wie oft sollte ich denn mein Portfolio anfassen? Schließlich verändern sich ja nicht nur die Relationen zwischen meinen unterschiedlichen Anlageklassen, sondern auch meine Risikoneigung. Im Alter sinkt der Zeithorizont meiner Anlage, da will ich wahrscheinlich die Aktienquote herunterbringen.

Henzler: Die Risikoneigung eines Anlegers bleibt über die Jahre bemerkenswert stabil. Daran ändert auch der Eintritt ins Rentenalter erstaunlich wenig, ist unsere Erfahrung. Ansonsten gilt: Wir passen einmal im Jahr kostenlos das Portfolio an, um es wieder auf die definierte Strategie zurückzuführen – das sogenannte Rebalancing.

Krieger und Horvat: Das ist bei uns nicht anders.

Brennholt: Von einem Roboadvisor erwarten Kunden hohe Agilität. Technisch könnten wir sehr häufig unser Portfolio verändern. Wir schauen uns das Portfolio aber nur einmal im Monat an und ändern es nur bei signifikanten Abweichungen. Die Transaktionskosten wären sonst schnell höher als der mögliche Mehrwert durch Umschichten.

Jetzt haben wir die ganze Zeit über Timing und Haltedauer gesprochen. Aber eine Antwort auf die Frage, was in das Kernportfolio gehört, steht noch aus. Aktien sind gesetzt, entnehme ich dem bisherigen Diskussionsverlauf.

Horvat: In aller Regel: ja. Wie viel Aktie hängt, wie anfangs ja gesagt, von der persönlichen Risikoneigung ab.

Henzler: Ohne Aktien ist keine langfristige, sinnvolle Strategie möglich, wenn Sie im Alter ein Zusatzeinkommen haben möchten. Dabei heißt Aktien nicht nur DAX-Werte. Es geht um ein Weltportfolio.

Horvat: USA, Schwellenländer, Europa, Japan – Aktien aus diesen Ländern und Regionen gehören in ein vernünftiges Portfolio. Dabei analysieren wir bewusst keine Einzelwerte, sondern setzen unter anderem mit ETFs auf eine breite Streuung der Risiken und Chancen.

Brennholt: Unser Vorbild ist der norwegische Staatsfonds. Der hält Beteiligungen an rund 9.000 Unternehmen weltweit und verzeichnet damit ein sehr gutes Verhältnis von Risiko und Rendite. Das Schöne: Mit ETFs, die auf internationale Aktienindizes aufsetzen, können schon Kleinanleger diese Marktbreite im eigenen Portfolio abbilden. Also ganz bewusst keine Modethemen oder komplexen Investmentvehikel.

Krieger: Mit nur 6 oder 7 ETFs können Sie heute ein eigenes Weltportfolio aufbauen, das am besten BIP-gewichtet ist: Je größer die Wirtschaftskraft, desto höher der Anteil der Region.

Horvat: Wir empfehlen, bei der Gewichtung BIP und Marktkapitalisierung gleichermaßen zu berücksichtigen.

Henzler: Man muss sehen, dass die Märkte so eng miteinander verwoben sind, dass sich die Weltbörsen angleichen. Entsprechend kann sich die Schwankungsbreite reduzieren.

Aber können nicht Anleihen oder Immobilien und Rohstoffe Stabilität geben?

Horvat: Bei einer globalen Krise geht alles in den Keller, nur nicht gleichzeitig und im gleichen Umfang. Grundsätzlich gilt aber natürlich schon, dass Anleihen Sicherheit geben können. Gerade kurze Laufzeiten mindern Ausschläge im Portfolio. Es ist wie beim Cognac: Je mehr Wasser Sie hinzugeben, desto mehr Farbe verliert er. Rohstoffe empfehlen wir selbst nicht aktiv, bei Immobilien raten wir zu einer Direktinvestition.

Brennholt: Für uns sind Immobilen Teil des Portfolio-Kerns. Sie geben viel Stabilität bei der Rendite. Allerdings sind passive Bausteine wie ETFs bei Immobilien schwierig, da Sie dann nur meist REITs kaufen, die aber mehr mit Aktien gemein haben. Anleihen bringen derzeit nur Stabilität, aber wenig Rendite.

Horvat: Am Ende ist Geldanlage ganz einfach: Investieren Sie langfristig und breit – und halten Sie die Hände still, vertrauen Sie Ihrer Strategie.

Brennholt: Ja, bitte versuchen Sie nicht, den Märkten hinterherzulaufen. Selbst ein Brexit spielt für Ihren mittel- und langfristigen Anlageerfolg keine Rolle.

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Risiken

Das vorliegende Material ist nicht als verlässliche Prognose, Untersuchung oder Anlageberatung zu verstehen und ist weder eine Empfehlung noch ein Angebot für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für eine bestimmte Strategie. Wir empfehlen nachdrücklich, dass Sie sich vor einer Finanzanlage professionell beraten lassen. Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Vergangene Wertentwicklung, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung und sollten bei der Auswahl eines Produkts nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden. Sowohl die Höhe der Steuer als auch ihre Berechnungsgrundlage können sich in der Zukunft ändern, beide sind außerdem abhängig von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers. Es gibt keine Garantie dafür, dass Investitionen in Finanzmärkten einen wirksamen Schutz gegen Inflation bieten.

Anleger sollten ihre Investmententscheidungen auf Grundlage des laufenden Verkaufsprospekts, der jüngsten Jahresberichte sowie dem Dokument mit den wesentlichen Anlegerinformationen, die auf unserer Website in deutscher Sprache erhältlich sind, treffen. Die wesentlichen Anlegerinformationen zu den einzelnen Fonds finden Sie hier.

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